3 x 7 ist kein Zufall

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3 x 7 ist kein Zufall


November 17, 2022




von Sascha Staat

Die Lage der Nation: 3 x 7 ist kein Zufall

 

Geschichte wiederholt sich, sag man. Im Fall der deutschen Frauen-Nationalmannschaft kann man diese Geschichte aber wahrscheinlich nicht mehr hören. Zum dritten Mal in Folge beendete das Team von Markus Gaugisch eine Welt- oder Europameisterschaft auf dem siebten Platz. Auch nach dem Wechsel auf dem Trainerposten bleibt also alles beim Alten. Bis zur absoluten Weltspitze fehlt etwas, egal ob Qualität, Cleverness oder Erfahrung.

Dass sich die DHB-Auswahl einen Tag nach der bitteren, weil deutlichen Pleite gegen Olympiasieger Frankreich nochmal zusammenraffte und den Strapazen trotzte, spricht für sich. Der Erfolg gegen die Rumäninnen zum Abschluss zeigte, wozu die Mannschaft auch spielerisch in der Lage ist. Dazu kam eine gute Leistung von Isabell Roch. Von ihr und Katharina Filter kam im Tor insgesamt jedoch zu wenig, was aber vor allem der jungen Filter nicht zum Vorwurf zu machen ist, Stichwort Erfahrung.

Die Lage zwischen den Pfosten gestaltete sich also als kompliziert, die rechte Seite jedoch wurde zu einem großen Problem. Denn die mit tollen Anlagen versehene Julia Maidhof wirkte von der ersten Minute an nervös und fand nie wirklich zur Ruhe. Maren Weigel mühte sich in den wenigen Minuten auf der Platte redlich, Gaugisch setzte auch auf Xenia Smits und auch auf Silje Brons Petersen. Aber Konstanz bekam er nie, ein großes Manko. Das galt auch für die rechte Außenbahn.

Aber nicht nur das: Mit Antje Döll, Dinah Eckerle, Amelie Berger und Alicia Stolle fehlten Gaugisch vier Stammspielerinnen, die seit Jahren fest zum Team gehören. Insbesondere der Ausfall von Döll konnte nicht kompensiert werden, denn nicht nur ihre Erfahrung ist unbezahlbar.  Ihre Spielweise hätte wichtige taktische Möglichkeiten gegeben, die dem Bundestrainer so nicht zur Verfügung standen. Ihre Stimme konnte sie ebenfalls nicht zu Gehör bringen.

Dennoch gab es auch Lichtblicke. Johanna Stockschläder muss zwar defensiv noch an sich arbeiten, ihre Quote steigerte sie aber im Verlaufe des Turniers von Spiel zu Spiel. Fanden in Podgorica einige Würfe nicht ihr Ziel, wurde das in Skopje immer besser. Am Kreis machte Lisa Antl mehr als nur auf sich aufmerksam. Im Zusammenspiel mit Vereinskollegin Alina Grijseels passt schon viel, ihre Quote ist extrem gut und ihr Biss und ihr Einsatz vorbildlich.

Über Grijseels und ihre Kollegin als Kapitänin, Emily Bölk, müssen derweil eigentlich keine weiteren Worte verloren werden. Grijseels führt nach der Hauptrunde die Torschützenliste an und steht zur Wahl für das All-Star-Team. Immer auf der Suche nach dem perfekten Spiel ist sie oft nah dran und entgegen ihres Wunsches vor allem mannschaftsdienlich zu agieren, auch immer mehr im Abschluss gefordert.

Mehr Abschlüsse von Bölk (wie gegen Rumänien) wären wichtig gewesen, um erfolgreicher zu sein. Doch die gegnerischen Abwehrreihen haben es leicht, wenn sie sich primär auf Grijseels und Bölk fokussieren können. Da hilft es auch nicht, dass man mit Xenia Smits selbst eine der weltbesten Defensivspielerinnen zu bieten hat. Und so wurde es am Ende wieder mal der siebte Platz, der in Bezug auf die Qualifikation für die olympischen Spiele in Paris nochmal ganz wichtig werden kann.

Geschichte wiederholt sich also. Um eine neue zu schreiben, braucht es Zeit und sicherlich auch die ein oder andere personelle Veränderung im Kader. Und der Verband muss mit absolutem Nachdruck die Bedingungen dafür schaffen, dass die Mannschaft das bestmögliche Resultat erreichen kann. Ob der DHB die Bedingungen in Podgorica und Skopje geschaffen hat, müssen die Verantwortlichen für sich selbst beantworten. Dreimal in Folge Siebter zu werden ist aber definitiv kein Zufall.

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