Die Dauerwelle knapp verpasst

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Die Dauerwelle knapp verpasst


January 29, 2024




Die Lage der Nation: Die Dauerwelle knapp verpasst

 

von Sascha Staat

 

Der vierte Platz ist es am Ende also für die deutsche Mannschaft bei der Heim-EM geworden. Ein Ergebnis, mit dem man aus DHB-Sicht durchaus leben kann, wenn man das nackte Resultat sieht. Schaut man aber genauer hin, dann muss Kritik durchaus erlaubt sein. Die Bilanz von vier Siegen, einem Remis und vier Niederlagen ist ausgeglichen. Nicht mehr und nicht weniger. Magere fünf Punkte reichten, um ins Halbfinale einzuziehen. Ein historischer Tiefstwert.

Dennoch begeisterte die Truppe. Durch unbändigen Willen, grandiosen Kampfgeist und eine tolle Abwehr. Skeptiker verweisen auf den überragenden Andreas Wolff als Lebensversicherung. Andere Nationen warten aber auch mit tollen Leistungen ihrer Keeper auf. Es ist eben eine Kombination aus starker Defensive und einem Torhüter, der regelmäßig auf hohem Niveau agiert. Das passt bei der Gislason-Sieben definitiv, auch wenn Julian Köster und Johannes Golla mehr Pausen benötigen.

Bekanntermaßen muss zunächst die Abwehr funktionieren, um erfolgreichen Handball zu spielen. Daraus resultieren die einfachen Treffer, die Juri Knorr und Co. dringend brauchen, da es offensiv hapert. Allerdings läuft es in der ersten Welle nicht besonders rund, was am Rückzugsverhalten der Gegner liegt. Es macht zudem als Betrachter den Anschein, als scheue das Team jegliche Form von Risiko. Auch bei der zweiten Welle fehlt die letzte Überzeugung.

Während des Turniers wurde der Positionsangriff außerdem regelmäßig thematisiert und viel an der Personalie Knorr festgemacht. Das ist teilweise berichtigt, teilweise wiederum nicht. Der Mann von den Rhein-Neckar Löwen interpretiert das Spiel anders als seine Kollegen, viel ist intuitiv. Aufgrund seines fantastischen Gefühls für die Situation kann er viele Probleme lösen, insbesondere wenn er mit dem Kreisläufer zusammenspielt. Dann ist Knorr oft kaum zu bremsen.

Ihm ging allerdings die Geschwindigkeit etwas ab, was erstaunt. Denn er besitzt einen unglaublichen ersten Schritt, auch sein Wackler kann mit der internationalen Spitze mithalten. Knorr tendiert aber dazu oft tippend vor der Abwehr zu stehen, anstatt die Fähigkeiten seiner Mitspieler im Rückraum besser in Szene zu setzen. Was beispielsweise Renars Uscins, der noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist, zu leisten im Stande ist, hat das Finalwochenende eindeutig bewiesen.

Entlastung täte Knorr ebenfalls gut, in doppelter Hinsicht. Zunächst in Bezug auf seine Spielminuten, denn er steht meist lange auf der Platte. Kein Wunder, dass ihm in der Crunchtime dann gerne mal die Kraft ausgeht. Das ist ganz normal und ein Grund dafür, warum Länder wie Frankreich, Dänemark oder Schweden voraus sind. Die können wechseln und tun das auch. So sind die Spieler frisch, wenn es drauf ankommt und die Partien entschieden werden.

Aber auch mental wäre es für ihn sicherlich gut zu wissen, dass nicht alle Last auf seinen Schultern liegt. Nils Lichtlein und bald sicherlich auch Luca Witzke sind gute Alternativen, Lichtlein gehört die Zukunft sowieso. Knorr, der ein hohes Anspruchsdenken hat und als enorm reflektiert gilt, könnte so ein wenig durchatmen und etwas mehr zu Ruhe kommen. Der Rückraum ist nämlich mit ihm, Köster und Uscins für die nächsten Jahre in der ersten Reihe sehr gut aufgestellt.

Und ja, die drei Teams, die bei dieser Europameisterschaft vor dem deutschen Team landeten, haben in der Breite mehr Qualität zu bieten. Doch es gibt keinen Grund zu glauben, warum man sich dahin nicht bis zur Weltmeisterschaft 2027, dann wieder mit dem DHB als Ausrichter, entwickeln kann. Die ganz junge Generation wurde bereits eingebunden und im aktuellen Kader finden sich neben Wolff  und Golla auch wichtige Akteure mit Perspektive, wie Lukas Mertens oder Sebastian Heymann.

Fazit: Will man dauerhaft oben auf der Welle reiten, dann ist jetzt die Chance dafür. Frisches Blut, junge Leistungsträger und alte Hasen mit Qualität sind vorhanden. Man muss nur mutig genug sein.

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