Die richtige Welle erwischen

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Die richtige Welle erwischen


January 9, 2024




Die Lage der Nation: Die richtige Welle erwischen

 

von Sascha Staat

 

Wenn am Abend knapp 53.000 Zuschauer im Düsseldorfer Stadion sitzen und in einigen Momenten sicherlich auch stehen werden, dann gilt es für die deutsche Nationalmannschaft. Denn die 53.000 Fans wollen größtenteils die deutsche Mannschaft siegen sehen. Der Druck wird immens sein, aber er kann das Team von Alfred Gislason auch schweben lassen. Es gilt darum die richtige Welle zu erwischen und bis zum letzten Tag des Turniers auf ihr zu reiten.

Denn machen wir uns nichts vor, rein kadertechnisch betrachtet gehört die Truppe nicht zum Kreis der Titelkandidaten. Dafür gibt es aktuell noch zu viele Fragezeichen. Wer soll neben Juri Knorr und Julian Köster im Rückraum für Torgefahr sorgen? Erlebt Kai Häfner seinen dritten Frühling? Kann der junge Renars Uscins an die Leistungen der Junioren-WM anknüpfen? Wer soll neben Johannes Golla und Köster den Innenblock stabil halten? Und was passiert, wenn Plan A nicht funktioniert?

Ziemlich viele noch offene Fragen für eine Mannschaft, die möglichst das Halbfinale erreichen will. Ja, das ist auf jeden Fall möglich, das steht definitiv außer Frage. Die Hürden, die es zu überwinden gilt, sind aber enorm hoch. Frankreich wartet als Olympiasieger bereits in der Vorrunde, danach warten dann Nationen wie Spanien, Kroatien oder Island. Derweil sollte man nicht vergessen, dass die Schweiz im Auftaktspiel erstmal geschlagen werden muss.

Ein wichtiger Fakt, denn vielleicht viele sogar unterschätzen. Denn die Schweiz ist kein Fallobst, ganz im Gegenteil. Viele Spieler sind in der Bundesliga aktiv und besitzen eine Menge Qualität. So gehört Lenny Rubin zu den besten Feldtorschützen in Deutschland, Manuel Zehnder rockt mit einem frechen Aufsteiger aus Eisenach die HBL. Alles im Rahmen der Möglichkeiten. Genau dieser Rahmen erlaubt es der Schweiz allerdings, die Gislason-Sieben mächtig ins Schwitzen zu bringen.

Denn warum sollte es nicht möglich sein, dass Andy Schmid seine internationale Karriere mit einem absoluten Ausrufezeichen beendet? Mit Abschluss der Gruppenphase war er mit großem Vorsprung der Führende in der Torschützenliste der European League. Wer sagt also, dass der Altmeister nach 60 Minuten nicht 15 Tore und zehn Vorlagen auf seinem Konto hat? Oder, dass Nikola Portner seinen Kasten vernagelt und auf 20 Paraden kommt und die Eidgenossen am Ende jubeln?

Hinzu kommen die eklatanten Unterschiede in der Erwartungshaltung. Für die Schweiz wäre es kein Problem, wenn sie als Verlierer vom Feld geht. Niemand erwartet, dass die Partie gewonnen wird. In Deutschland geht hingegen jeder davon aus, dass die ersten beiden Punkte auf dem Weg zu einem möglichen Medaillengewinn eingefahren werden. Oder anders: Deutschland muss gewinnen, die Schweiz spielt völlig befreit und ohne jeglichen Druck auf.

Und ob die Stimmung im weiten Rund das Team tragen kann? Es wird eine andere Atmosphäre sein als in den engen Hallen von Berlin und Köln. Der Druck, den Fans auf den Gegner ausüben können, wird sich in Grenzen halten. Dazu kommt, dass die Gastgeber in ihren ersten Spielen selten glänzen, da ist Deutschland sicherlich keine Ausnahme. Bei den Weltmeisterschaften 2007 und 2019 sah das genauso aus. Einen Schönheitspreis wird man wohl nicht gewinnen.

Fazit: Wollen Andreas Wolff und seine Mitspieler ein erfolgreiches Turnier spielen, dann müssen sie möglichst schnell auf einer Welle der Euphorie reiten. Dafür muss möglichst ein überzeugender Sieg gegen die Schweiz her, sonst könnte es zäh werden. Es kann in beide Richtungen gehen. Spätestens um kurz nach 22 Uhr wird der Weg aber vorgezeichnet sein, egal wohin er führt.

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