Die richtige Welle erwischt

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Die richtige Welle erwischt


January 11, 2024




Die Lage der Nation: Die richtige Welle erwischt

 

von Sascha Staat

 

Wie sagt man so schön? Manchmal ist es besser, wenn man eine Nacht drüber schläft. Das gilt nicht nur für die Spieler, sondern natürlich auch für Journalisten. Und die Eindrücke, die es von den ersten Spielen der EHF Euro 2024 zu verarbeiten galt, es waren einige. Dabei stand der neue Weltrekord für Zuschauer beim Handball über allem. Satte 53.586 Fans hatten den Weg nach Düsseldorf gefunden und machten aus dem EM-Auftakt ein unvergessliches Spektakel.

Man muss den Hut ziehen vor den Veranstaltern, denn trotz teilweise großer Distanzen und einer enormen Entfernung zum Spielfeld bekamen sie es hin, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, die der in Stockholm beim Finalwochenende 2020 in Stockholm weit voraus war. Ja, die Sicht war nicht auf allen Plätzen herausragend, die Stimmung allerdings schon. Anders als in einer engen Halle wie in Berlin oder Köln, aber besonders. Gänsehaut pur eben.

Allerdings muss man den Hut auch vor der deutschen Mannschaft ziehen. Denn im Vorfeld gab es das eine oder andere Fragezeichen, dazu mit der Schweiz ein unangenehmer Gegner zum Start. Doch die Truppe von Alfred Gislason zauberte eine beeindruckende Leistung in der Defensive auf die Platte, so dass der hoffnungslos unterlegene Gegner irgendwann gar keine Mittel hatte und in einer Phase der Partie nur zwei Treffer innerhalb von 24 Minuten erzielten. Ein unfassbarer Wert!

Alleine was die Zahlen angeht ragte Andreas Wolff heraus. Der deutsche Keeper zog den Schweizern direkt zu Beginn den Zahn und legte, rein statistisch gesehen, eine der besten Torhüterleistungen bei einem Turnier hin, die es jemals gegeben hat. Mit 16 Paraden und einer kaum in Worte zu fassenden Quote von 61 Prozent gehaltener Würfe sorgte der Mann aus Kielce dafür, dass seine Vorderleute die nötige Sicherheit hatten, um sich auch Fehler erlauben zu dürfen.

Die machten allerdings die Schweizer, weil das DHB-Team in der Defensive bärenstark agierte. Julian Köster zeigte dabei, dass er für die große Bühne gemacht ist. Er machte in der Abwehr eindeutig den Unterschied aus. Zusammen mit Johannes Golla sorgte der Gummersbacher dafür, dass Andy Schmid überhaupt nicht zur Entfaltung kam. Seine Teamkollegen wirkten genauso überfordert, machten viele Fehler und waren selbst teilweise geschockt über die gezeigte Leistung.

Im Düsseldorfer Stadion trafen gestern zwei Gegner aufeinander, die mit unterschiedlichen Waffen kämpften. Waren die der Schweizer durchweg stumpf, war die DHB-Auswahl mit frisch geschliffenen Klingen in das Duell gegangen. Und mit vollem Fokus. Niemand aus dem Team von Alfred Gislason machte auch nur im Ansatz den Eindruck, als wäre er nicht bei der Sache gewesen. Vom Anwurf weg hellwach, das zog sich durch die komplette Begegnung. Beeindruckend.

Was gab es am deutschen Spiel auszusetzen? Wenig, um ehrlich zu sein. Die erste richtige Prüfung wartet mit Frankreich zum Abschluss der Vorrunde. Dann wird klar sein, wie weit das Team wirklich ist. Der Olympiasieger ist ein Gradmesser. Dennoch sollte man die Leistung gegen die Schweiz nicht kleinreden. So muss man erstmal mit der Erwartungshaltung eines Gastgebers und dem Druck, der auf einem lastet, zurechtkommen. Auch das war beeindruckend.

Fazit: Der Auftakt hat die kühnsten Erwartungen übertroffen, Euphorie ist definitiv entfacht. Für den Moment wurde die richtige Welle erwischt. Auf der gilt es jetzt so lange wie möglich zu reiten.

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