Die Welle etwas unterschätzt

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Die Welle etwas unterschätzt


January 25, 2024




Die Lage der Nation: Die Welle etwas unterschätzt

 

von Sascha Staat

 

„Wir haben offensiv einen Rotz zusammengespielt“, fand Kai Häfner sehr klare Worte in Bezug auf die Leistung des deutschen Teams gegen Kroatien. Erstaunlich, denn ganz so schlecht war der Auftritt nicht, nur spielte Dominik Kuzmanovic im Kasten des Gegners wie vom anderen Stern. Mit seinen 22 Paraden ragte er heraus, zog dem DHB-Team in unzähligen Situationen den Zahn und sorgte so für die erste deutsche Niederlage auf Kölner Boden.

Renars Uscins meinte, dass „die vielen Fehlwürfe uns mental gekillt haben“. Dabei war das Problem wohl vielmehr, dass schon vor Anwurf der Einzug ins Halbfinale sicher war. Die Luft war spürbar raus, auch wenn keiner bewusst einen Gang zurückschaltete. Sogar Domagoj Duvnjak bezeichnete den für ihn ebenfalls sichtbaren Spannungsabfall beim Gegner als „menschlich“. Doch welche Folgen könnte diese Begegnung noch haben?

Dafür gibt es zwei Sichtweisen. Zunächst konnten Kräfte bei den Leistungsträgern geschont werden und ein Akteur wie Sebastian Heymann zeigte einmal mehr, dass er eine ganz wichtige Alternative für Alfred Gislason ist. Seine Physis, seine Fähigkeiten und sein Biss sind vorbildlich für seine Mitspieler. Er zerreißt sich förmlich, ist aufmerksam und ja, er macht auch Fehler. Der Göppinger steht aber auch ein bisschen sinnbildlich für das, was die DHB-Auswahl liefern kann. Passt viel, geht viel.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet hat das Spiel etwas an Rhythmus genommen und es kann manchmal zum Problem werden den Schalter wieder umzulegen. Außerdem zeigten sich viele der Zuschauer enttäuscht. Sie hatten für hohe Eintrittspreise mehr erwartet. Juri Knorr griff das nach der Partie auf und entschuldigte sich. Ein feiner Zug, der allerdings nicht nötig gewesen wäre. Denn dass jeder wollte, das war zweifelsohne ersichtlich.

Dass gerade die zweite Garde Fehler macht und auch machen darf, ist nämlich ganz normal. Da aber der bereits erwähnte Uscins oder Spieler wie Justus Fischer und Nils Lichtlein selten bis gar nicht auf der Platte stehen, hilft ihrem Selbstvertrauen nicht. Was sie allerdings boten war ansehnlich. Es war Fluss im Spiel, der Ball lief gut und es wurden gute Abschlussmöglichkeiten auf unterschiedlichen Positionen herausgespielt.

Es ist jedoch gefährlich zu glauben, dass so ein Spielverlauf und Ergebnis nichts mit einer Mannschaft machen würde. Denn Vertrauen haben die Nachwuchskräfte nicht gewonnen. Eventuell wurde die Welle, auf der es nach wie vor zu reiten gilt, in gewissem Maße unterschätzt. Sollte das der Fall sein, gilt es das schnell zu ändern. Denn gegen Dänemark wird sich Deutschland keine Schwächephasen erlauben können. Dafür ist der Serienweltmeister einfach zu gut.

Aber nicht nur Schwächephasen sind verboten, auch die Anzahl an Fehlern ist noch zu hoch. Chancen müssen effizienter genutzt werden. Klar, die Jungen haben Steigerungspotenzial in diesem Bereich, für die Etablierten wie Timo Kastening, Rune Dahmke oder Lukas Mertens gilt das aber umso mehr. Ihre Quoten lassen zu wünschen übrig. Eine außergewöhnlich hohe Effizienz im Abschluss ist aber, neben Tempo und wenigen Ballverlusten, wahrscheinlich der Schlüssel für eine Überraschung.

Fazit: Wenn Deutschland im Halbfinale als Außenseiter eine Chance haben möchte, muss man sofort auf die Welle springen. Nur dann können Team und Fans gemeinsam den Favoriten stürzen.

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