Die Welle fast abgeritten

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Die Welle fast abgeritten


January 21, 2024




Die Lage der Nation: Die Welle fast abgeritten

 

von Sascha Staat

 

„Wir haben unglaublich schlecht gespielt“, sagte Rune Dahmke nach dem Unentschieden der DHB-Auswahl gegen Österreich. Passender hätte es der Linksaußen kaum ausdrücken können. Das, was die Truppe von Alfred Gislason am Abend gegen den famos kämpfenden Nachbarn geboten hatte, war mit dieser Formulierung noch nett unterschrieben. Nicht viel fehlte und die viel zitierte Welle wäre komplett abgeritten gewesen.

Denn einige Akteure waren weit von ihrer Normalform entfernt. Lukas Mertens und Timo Kastening beispielsweise, die zweifelsohne zu den Besten ihres Fachs zählen und auf ihrer Position eine feste Größe sind, waren bei 13 Versuchen sechs Mal erfolgreich. Eine schwache Quote, vor allem wenn man die teils großen Wurfwinkel in Betracht zieht, aus denen das Duo zum Abschluss kam. Damit waren sie allerdings nicht alleine.

Die Offensive hakte mal wieder und tat sich gegen die ÖHB-Defensive enorm schwer. Im Zentrum machte Lukas Hutecek für den Außenseiter, der längst keiner mehr ist, einen sensationellen Job. Er verdiente sich nicht nur ein Fleißkärtchen, sondern traf sehr oft die richtige Entscheidung im Verbund mit seinen Nebenleuten. Und tankten sich die Deutschen doch mal wieder durch, war der Torhüter zur Stelle. Constantin Möstl überragte, mal wieder.

Außerdem machte sich zu Beginn bemerkbar, dass Juri Knorr nicht auf der Platte stand. Er litt in den vergangenen Tagen an einer Erkältung und so entschied sich Alfred Gislason mit Philipp Weber auf seiner Position ins Rennen zu gehen. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte. Weber, der bei seinem Verein in Magdeburg fast ausnahmslos im halblinken Rückraum zum Einsatz kommt, ist niemand, der seine Mitspieler in Szene setzt. Er schließt lieber ab.

So kam es dann auch, aber in den ersten Angriffen waren zwei Fehlwürfe und zwei technische Fehler das Ergebnis. Nach zwölf Minuten war das fragwürdige Experiment gescheitert und Knorr kam aufs Feld. Warum also nicht direkt, fragt man sich an der Stelle. Zumal der Mannheimer dann quasi bis zum Schluss mitwirkte. So fehlte in der Offensive von Beginn an der Faden, es war viel Stückwerk und daran änderte sich bis zum Ende auch nichts mehr.

Hinzu kamen etliche Wechsel, Gislason versuchte es immer wieder mit einer neuen Formation. Damit nahm er seinen sowieso schon verunsicherten Spielern jeglichen Rhythmus. Eine Fahrkarte nach der anderen und ein überragender Möstl später war Deutschland fast ausgeschieden und die Welle quasi eingestürzt. Das brachte Juri Knorr dazu danach alle in die Pflicht zu nehmen, „die Fans, wir als Team und die Journalisten“, um ein großes Wir-Gefühl und Euphorie zu entfachen.

Dafür sind aber nicht die Fans oder die Medien zuständig, denn eine Euphorie können nur die Spieler mit ihrer Leistung erzeugen. Am Tag nach der Partie schickte der DHB als größter Handballverband der Welt übrigens exakt gar keinen Aktiven zum Pressetermin, sondern stattdessen Sportvorstand Axel Kromer. Man wolle alle Energie darauf konzentrieren, die kommenden Spiele zu gewinnen. Viel deutlicher kann man den Medien nicht aufzeigen, dass sie nur Beifahrer sind. Ein Armutszeugnis.

Fazit: Will sich das deutsche Team ein letztes Mal auf der Welle aufrichten, dann muss eine deutliche Steigerung her. Das gilt, mit Ausnahme von Andreas Wolff, für alle Beteiligten. In allen Belangen.

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