Die Welle maximal geritten

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Die Welle maximal geritten


January 27, 2024




Die Lage der Nation: Die Welle maximal geritten

 

von Sascha Staat

 

Irgendwann ging es einfach nicht mehr, die deutsche Abwehr war im Halbfinale der EHF Euro 2024 machtlos. Machtlos gegen die Perfektion von Mikkel Hansen. Machtlos gegen seine Übersicht, durch die er im Sieben gegen Sechs den Taktstock schwingt und sein hochtalentiertes Orchester jeden Ton treffen lässt. Er und seine Nebenleute waren zu gut, das muss man neidlos anerkennen. Die Ruhe, die der große Favorit im zweiten Durchgang ausstrahlte, machte den Unterschied aus.

Und so verpasste der Gastgeber das Endspiel. Verdient, denn Dänemark war besser. Wegen Mikkel Hansen und dessen Fähigkeiten als Dirigent, aber auch wegen der zahlreichen Alternativen. Denn an diesem Abend war Niklas Landin nicht der, der er früher immer war. In großen Spielen lieferte der frühere Kieler regelmäßig ab, durch seine Paraden und seine Aura. Dieses Mal war das nicht so, aber für den dreifachen Weltmeister kein Problem.

Denn Jacobsen hatte mit Emil Nielsen eine Alternative zur Verfügung, die sofort zur Stelle war. Ein paar gute Aktionen des Keepers später und Dänemark hatte den Rückstand von zwei Treffern zur Pause quasi umgehend ausgeglichen. Danach zog der Favorit nach und nach davon, wobei die DHB-Auswahl jeden erdenklichen Fetzen Kraft in sämtliche Zweikämpfe warf. Am Ende setze sich einfach nur die höhere Qualität durch, mehr nicht.

Zur Pause führte das Team von Alfred Gislason dabei noch, weil die Defensive standhielt und Nikolaj Jacobsen erst spät den Joker mit der Überzahl zog. Insbesondere Johannes Golla stand wie ein Fels in der Brandung. Mathias Gidsel, derzeit für viele Experten der beste Spieler der Welt, fand mehrfach seinen Meister in Andreas Wolff und die gut 20.000 Fans in Köln spürten, dass auf der Platte alle bis zum Äußersten kämpften. Die Atmosphäre: Elektrisch.

Abgesehen von der starken Abwehr in Kombination mit dem Torhüter tat der DHB-Auswahl auch gut, dass Renars Uscins in der Startformation stand. Der Hannoveraner ersetzte Kai Häfner. Der war aus privaten Gründen kurzfristig abgereist. Uscins traute sich etwas, war mutig und sorgte bei den Dänen für Stirnrunzeln. Auch das Zusammenspiel mit den Kollegen passte. In Anbetracht der gegnerischen Klasse war es die vielleicht beste Offensivleistung in diesem Turnier. Für 30 Minuten.

Unglücklich waren aus deutscher Sicht jedoch zwei frühe Zeitstrafen gegen Sebastian Heymann, so dass Gislason im Innenblock eine wichtige Option quasi abhandenkam. Dafür waren die Außen sehr effizient, Rune Dahmke hielt sich schadlos. Defensiv ackerte er wie ein Verrückter und riss Fans wie Mitspieler gleichermaßen mit. Er war ein Paradebeispiel dafür, was Kampfgeist und Wille ausmachen können. Das hielt Deutschland im Spiel, bis Dänemark wie erwähnt umstellte.

Dann ging abwehrtechnisch nicht mehr viel, denn die dänischen Außen machten quasi keine Fehler und das Tempospiel, was phasenweise noch vor dem Seitenwechsel für leichte Tore gesorgt hatte, ging dem deutschen Team plötzlich fast komplett ab. Aber, und das muss man neidlos anerkennen, Wolff und Kollegen haben die Welle maximal lange geritten. Mehr war nach drin, das Erreichen des Endspiels scheiterte an einem übermächtigen Gegner.

Fazit: Ein letztes Mal gilt es nun auf der Welle zu reiten. In Richtung der Bronzemedaille und dem damit verbunden Ticket für Olympia. Mit der gleichen Leistung ist der das absolut drin.

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