Die Welle quasi umgekehrt

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Die Welle quasi umgekehrt


January 23, 2024




Die Lage der Nation: Die Welle quasi umgekehrt

 

von Sascha Staat

 

Vielleicht schreibt es englische Wort „Turnaround“ sogar noch ein bisschen besser als der deutsche Ausdruck Umschwung, aber genau in diese Richtung gingen die Aussagen der Spieler von Alfred Gislason nach dem Sieg der DHB-Auswahl gegen Ungarn und der definitiv besten Leistung bislang bei der Europameisterschaft. Das deutsche Team hat die Welle sozusagen umgekehrt und zum ersten Mal die Kontrolle übernommen, das Halbfinale ist in greifbare Nähe gerückt.

Verantwortlich dafür war in erste Linie die Mannschaft selbst, weil sie es schaffte sich aus dem Loch zu ziehen, in dem sie sich emotional und spielerisch nach dem Remis gegen Österreich befand. Von der ersten Minute an traten die Spieler anders auf, selbstbewusster, freier und gelöster. Exakt so, wie man es sich schon zuvor gewünscht hätte. Eine Euphorie entfachend, die sich vom Spielfeld auf die Ränge übertrug, von den Fans aufgenommen und zurück auf die Platte geschickt wurde.

Das zahlte sich über den Spielverlauf gesehen aus, denn im ersten Durchgang lief es zwar im bislang oft kritisierten Angriff der Gislason-Sieben mit 18 Treffern ziemlich rund, dafür war die Defensive von ihrer Bestform weit entfernt. Andreas Wolff kam zudem zu keiner einzigen Parade, David Späth nur auf eine. Zu wenig gegen ein ungarisches Team, das taktisch sehr geschult ist und sowohl über den Kreis, als auch über den Rückraum erfolgreich sein kann.

Aber mit Hilfe dieser anderen Emotion, dem Umschwung, dem neuen Selbstvertrauen und mutigen Aktionen gelang es, dass man sich im zweiten Durchgang förmlich in einen Rausch spielte. Plötzlich war auch Andreas Wolff zur Stelle, die Deutschen agierten intuitiv, sie hatten Spaß am Spiel. Dieses Wort fiel in der Mixed Zone nach der Partie regelmäßig. Und das, obwohl der Druck so groß war wie bei keinem anderen Spiel zuvor, denn eine Pleite hätte quasi das Aus bedeutet.

So lebt der Traum vom Halbfinale mehr denn je, weil Alfred Gislason ein gutes Händchen bewies und am Morgen vor der Partie eine emotionale Ansprache hielt. Der sprach den Spielern Mut bei und so schenkte er ihnen das Vertrauen, was einigen von ihnen gegen Österreich völlig verloren gegangen schien.

Klar, die deutsche Mannschaft lebt nicht vom Spielwitz, wie ihn die Dänen nun schon seit Jahren auf die Platte zaubern.  Sie leben auch nicht von einer Physis wie sie die Franzosen haben. Oder von der taktischen Struktur wie es die Schweden tun. Das Team um Juri Knorr und Julian Köster kann nur über Geschlossenheit und Euphorie zum Erfolg kommen. Vielleicht wollten einige ein bisschen zu viel und der souveräne und auch in der Höhe verdiente Sieg gegen Ungarn wurde jetzt zu einem Knotenlöser. Denn klar, bei einem Turnier im eigenen Land sind die Erwartungen immer extrem hoch.

Die Fans in Deutschland wissen aber wohl gut genug einzuschätzen, dass diese Truppe nicht per se um die Medaillen mitspielen kann. Es muss viel passen und manchmal sogar noch ein wenig mehr. Aber gegen die Teams auf Augenhöhe, da erwarten alle 100 Prozent Engagement, Leidenschaft und Einsatz. Und auch ein wenig Spektakel. Das bot vor allem Julian Köster, der immer mehr zum MVP der Mannschaft aufsteigt. Hinten sowieso, brillierte er endlich auch offensiv.

Fazit: Mit einer famosen Teamleistung hat Deutschland die Welle quasi umgekehrt und die Fans im Land mit hochgezogen. Folgt nochmal so ein Auftritt, steigt die Welle noch ein wenig höher.

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