Ein Rennen gegen die Zeit

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Ein Rennen gegen die Zeit


October 12, 2023




Die Lage der Nation

 

von Sascha Staat

„Ich möchte von meiner Mannschaft das sehen, was wir uns in dieser Woche erarbeitet haben“, hatte Markus Gaugisch noch am Tag vor dem EM Qualifikationsspiel gegen die Ukraine gegenüber stregspiller.com gesagt. Dabei ging es ihm vor allem darum mehr Tempo aus der Defensive heraus, um schnelle Tore zu erzielen. Es dauerte allerdings einige Zeit, bis sein Team das umgesetzt bekam.

Die Gäste legten nämlich in der Anfangsphase los, wie die Feuerwehr und erarbeiten sich einen 5-Tore-Vorsprung.
Zu Beginn wirkte die Gaugisch-Sieben noch ein wenig zurückhaltend, ohne den passenden Mut zur Lücke. Im Positionsangriff fehlte die Tiefe, wie es Jubilarin Xenia Smits nach ihrem 100. Spiel für Deutschland formulierte.

„Uns fehlte da etwas die Überzeugung und wir haben ein paar falsche Entscheidungen getroffen. Die Abwehr stand nicht und wir waren nicht konsequent genug. Heute haben wir 20 Minuten gebraucht, um reinzukommen“, sagte die Bietigheimerin.  Und fügte an, dass das „nicht gut“ gewesen sei.

Was sie aber, wie einige ihrer Mitspielerinnen und auch Coach Gaugisch lobend erwähnte war, dass über 60 Minuten das geforderte Tempo recht hoch gehalten werden konnte. Das zermürbte die Ukraine auf Dauer, beim Außenseiter schwanden die
Kräfte und der Sieg viel mit 31:24 am Ende souverän aus. Gleichzeitig täuschte er über eine mäßige Leistung vor der Pause hinweg.

Der Bundestrainer hatte aber auch dafür Erklärungen. „Wir sind ein halbes Jahr nicht zusammen gewesen und haben jetzt fünf Mal miteinander trainiert. Dazu waren Xenia Smits und Annika Lott die ganze Woche über angeschlagen und haben nicht richtig mit den anderen trainieren können“, ließ Gaugisch wissen.

Das ist sogar nur die halbe Wahrheit, denn mit Amelie Berger, Julia Maidhof und Alicia Stolle fehlten gleich drei der vier etatmäßigen Linkshänderinnen.  Hinzu kommt eine Verletzung von Mia Zschocke, die immerhin schon bei zwei Turnieren auf der
Platte stand.  Ein nie zu unterschätzender Erfahrungswert.

Lena Degenhardt, seit dem Sommer in Dortmund unter Vertrag, wird die Weltmeisterschaft nach einem Kreuzbandriss verpassen. Umso wichtiger, dass der aktuelle Kern des Teams das vorhandene Potenzial aufs Feld bringt. Julia
Behnke zeigte in der Defensive bereits, dass sie nach ihrer Rückkehr der Mannschaft enorm weiterhelfen kann.
Allerdings kann sie als Kreisläuferin nur bedingt Impulse setzen, dass ihre Mitspielerinnen mit mehr Zug
zum Tor gehen.

Das wird im Dezember bei den Duellen gegen Spitzenteams wie Dänemark – der Bronzemedaillen Gewinner der WM 2021, wartet in der Hauptrunde – unbedingt nötig sein, um den viel zitierten nächsten Schritt zu machen. Und Gaugisch bleibt zusammen mit dem Team nicht mehr viel Zeit, um an den restlichen Stellschrauben zu drehen. Durch das abgesagte Spiel in Israel fehlt ein weiterer Test.

Es bleibt noch der “Tag des Handballs” Anfang November, wo wichtige Stützen wie Alina Grijseels oder Katharina Filter allerdings fehlen werden. Das Arbeiten in der gesamten Gruppe wird erst mit dem Start in die direkte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft möglich sein. Teil dessen sind zwei Vergleiche mit Schweden, denen völlig unabhängig vom Ausgang der Partien eine große Bedeutung zukommen wird.  Wie wird man sich präsentieren? Wer kann noch mehr Verantwortung übernehmen?

Die Kernfrage bleibt allerdings: Reicht die Zeit? Das Potenzial ist größer als noch in den vergangenen Jahren. Das Paradebeispiel dafür ist die hochtalentierte Viola Leuchter. „Ich bin überzeugt von dem, was sie in die Mannschaft einbringen kann und habe vollstes Vertrauen in sie“, meint Gaugisch. Sie braucht, wie alle, noch ein wenig mehr Mut zur Lücke.

Es bleibt ein Rennen gegen die Zeit.

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