Gerade noch rechtzeitig

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Gerade noch rechtzeitig


November 30, 2023




Die Lage der Nation: Gerade noch rechtzeitig

 

von Sascha Staat

 

Der beste Tatort, er ist nicht so spannend wie das, was die deutsche Partie gegen Japan zum Auftakt der Weltmeisterschaft 2023 bot. „Down to the wire“, so beschreiben es die Amerikaner. Ein „nailbiter“, der die Nerven der Fans in der Halle bis zum Äußersten strapazierte. Dabei sah es Mitte des zweiten Durchgangs extrem gut aus, die DHB-Auswahl hatte das Spiel unter Kontrolle. Warum Xenia Smits gerade noch rechtzeitig den Siegtreffer erzielte, dafür gibt es viele Gründe.

Zur Einordnung ist es wichtig zu wissen, dass Japan in den vergangenen Jahren eine extrem gute Entwicklung genommen hat. Und, dass die Asiatinnen 16 Wochen, in Worten sechzehn, Zeit zur gemeinsamen Vorbereitung hatten. Davon können Trainer europäischer Mannschaften nicht mal im Ansatz träumen. Vor allem in der Schlussphase, als der Außenseiter im 7 gegen 6 agierte, fiel das ganz besonders ins Auge. Quasi fehlerlose blies Japan zur Aufholjagd.

Auch zu Beginn agierte der deutsche Gegner auf einem hohen Niveau. Präzise, flink und noch dazu effizient im Abschluss erzielte Japan bis zur Pause 17 Treffer und fand immer wieder Lücken in der Defensive der DHB-Auswahl. Warum? Trotz intensiver Vorbereitung und ausführlicher Analyse per Video ist die Praxis eben eine ganz andere Geschichte. Die Ergebnisse von Japan in der Vorbereitung, mit einem Erfolg gegen Spanien und einem Kantersieg gegen Serbien, kamen nicht von ungefähr.

Umso höher muss man es der Gaugisch-Sieben hoch anrechnen, dass sie die Partie vor allem nach dem Seitenwechsel größtenteils unter Kontrolle hatte. Annika Lott, die nach gut 20 Minuten ins Spiel kam, war dafür ein entscheidender Faktor. Vor allem die Abstimmung mit Alina Grijseels passte, die beiden harmonierten extrem gut. Die Lücken in der offensiven Deckung der Japanerinnen waren groß genug und wurden clever ausgenutzt.

Den Faden ging dann verloren, als Lott sich nach einer Zeitstrafe in einem Zweikampf in der Abwehr leicht verletzte und von der Platte musste. Der Spielfluss stockte, vorne fehlten die Lösungen und auch ein wenig das Glück im Abschluss, wie bei einem Schlagwurf von Grijseels und einem Versuch an den Pfosten von Julia Behnke. Wichtig war, dass Katharina Filter einen Siebenmeter sowie einen freien Abschluss parieren konnte.

Weil Japan allerdings auf die bereits erwähnte Variante mit einer zusätzlichen Feldspielerin setzte und kaum Fehler machte, wurde es wieder spannend. Zudem verpasste es das deutsche Team gleich mehrfach auf fünf Treffer davonziehen, was die Vorentscheidung bedeutet hätte. So musste bis zur letzten Sekunde gezittert werden. Japan glich aus, die Zeit rannte davon. Dann passierte das, was bei den deutschen Spielerinnen für unendlichen Jubel sorgte: Xenia Smits knallte den Ball in den Winkel!

In der Mixed Zone war allen die Erleichterung anzumerken, aber auch die Freude. Ja, man hat eine klare Führung nochmal aus der Hand gegeben, zumindest fast. Aber in der Vergangenheit wäre so ein Spiel vielleicht komplett in die Hose gegangen. Und schaut man darauf, dass nur wenige Zentimeter fehlten, damit Angola Olympiasieger Frankreich einen Punkt abgeluchst hätte, ist dieses Ergebnis gegen Japan nochmal ganz anders einzuordnen.

Fazit: Der Wurf ins Glück von Smits kam gerade noch rechtzeitig. Rechtzeitig als Startschuss, um das deutsche Team noch weit zu tragen. Mit der Extra-Dosis Euphorie der letzten drei Sekunden.

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