Keine Zeit für schwache Nerven

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Keine Zeit für schwache Nerven


December 8, 2023




Die Lage der Nation: Keine Zeit für schwache Nerven

 

von Sascha Staat

 

Es hat eigentlich eine gewisse Tradition, wenn die deutschen Handball Frauen bei einem Turnier spielen. Man zittert und fiebert mit, denn selten ist es so deutlich wie vor ein paar Tagen gegen Polen. Eigentlich nie. Genauso war es gegen Rumänien, was aber eher an den DHB Auswahl selbst lag. Zu viele Fehler und vergebene Chancen zu Beginn in der Offensive, eine zu tief stehende Defensive und ein mutiger Gegner, der seine Chance auf das Viertelfinale witterte.

Irgendwas ist bei diesem Turnier allerdings ist anders als in der Vergangenheit. Ja, es war wieder rein gar nichts für schwache Nerven. Aber ein Spiel dieser Art wäre vor zwei, drei oder vier Jahren mit sehr großer Wahrscheinlichkeit verloren gegangen. Denn Rumänien nutzte die Chancen zu Beginn gut aus und ging teilweise mit sogar vier Toren in Führung. Mental keine leichte Aufgabe, denn es funktionierte in den ersten 30 Minuten nicht sonderlich viel.

Es scheint aber eine neue Qualität des Teams zu sein, dass man sich aus solchen Situationen befreien kann. Auch deshalb wirkte es so, als könne Deutschland das Spiel irgendwie nicht verlieren. Obwohl Leistungsträgerinnen wie Alina Grijseels und Emily Bölk offensiv nicht in die Spur fanden. Und obwohl auch Annika Lott zunächst bei ihren Würfen das Ziel nicht traf. Aber Spielerinnen wie Viola Leuchter und Jenny Behrend machten es nach ihren Einwechselungen richtig gut.

Das gab der Mannschaft insgesamt das Selbstvertrauen im Angriff zurück. Dazu kam, dass defensiv das Timing immer besser wurde. Funktionierte die stark angeschlagene Cristina Neagu für Rumänien vor der Pause noch ganz gut, war sie nach dem Seitenwechsel ein Schatten ihrer besten Zeiten. Sie wurde von der Gaugisch-Sieben in Zweikämpfe gezwungen. So kam sie gar nicht mehr zur Entfaltung und ihr Team war gezwungen andere Lösungen zu finden.

Das gelang, denn die Winkel bei den Würfen von den Außenpositionen wären gut genug gewesen, um das ein oder andere Tor zu erzielen. Aber Katharina Filter wuchs erneut über sich hinaus und hielt einen Ball nach dem anderen. Ihre Quote von Außen lag am Ende bei unfassbaren 70 Prozent. Völlig zurecht wurde sie zur Spielerin des Spiels gewählt, wie schon gegen Polen. Wer sich also noch fragte, ob Deutschland wieder internationale Klasse zwischen den Pfosten zu bieten hat, bitte sehr!

Leider nicht ganz abgestellt werden konnten die Fehler im Angriff, gerade im Tempo. Lott wurde ein paar Mal ein wenig zu hektisch und zack, weg war der Ball. Sie verbesserte sich  aber schnell, so wie das gesamte Team. Die bereits erwähnte Behrend tritt auch ganz anders auf ,als bei vergangenen Turnieren. Diese Breite ist wichtig, wenn man in diesem Turnier weit kommen möchte. Die Chancen dafür stehen von Tag zu Tag besser, spätestens seit dem Sensationserfolg von Japan gegen Dänemark.

Gelingt nun ein Sieg gegen Außenseiter Serbien, den man mit gesundem Selbstvertrauen und ohne Überheblichkeit als Pflicht bezeichnen kann, ist das Viertelfinale erreicht. Das erste Zwischenziel ist also zum Greifen nah, jetzt muss nur zugeschnappt werden. Nimmt man die bisherigen Auftritte in Herning zum Maßstab, dann kann schon am Samstag wieder gejubelt werden. Schief gehen kann es immer, aber die Zweifel werden immer weniger.

Fazit: Es war ein wenig Krampf, aber auch viel Kampf. Mit diesem Biss, Willen und Mut kann es noch weit gehen. Keine Zeit also für schwache Nerven.

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