“Mir gefällt unsere Entwicklung”

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“Mir gefällt unsere Entwicklung”


October 11, 2023




von Sascha Staat

 

Vor dem EM-Qualifikationsspiel der Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbunds gegen die Ukraine und weniger als zwei Monaten vor Beginn der Weltmeisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden, sprach stregspiller.com mit Bundestrainer Markus Gaugisch über die Ausgangslage und seine Erwartungen.

In Wetzlar (Anwurf 20:15 Uhr, SPORT1 überträgt das Spiel live) werden nicht nur die ursprünglich nominierten Alicia Stolle und Amelie Berger fehlen, sondern verletzungsbedingt auch Mia Zschocke und Julia Maidhof. Somit rücken auf der rechten Seite insbesondere Viola Leuchter und Maren Weigel in den Mittelpunkt des Interesses.

Die internationale Spitze im Frauenhandball bewertet Markus Gaugisch unverändert und basierend auf den Erfolgen seiner Spielerinnen auf Vereinsebene, in der European- und Champions League, freut sich der Bundestrainer auf ein gesteigertes Selbstbewusstsein seiner Mannschaft, in schwierigen Situationen.

Über die mentalen Fähigkeiten seiner Mannschaft:

Beim Spiel gegen Spanien bei der EHF EURO 2022, das schon oft Thema war, bin ich dabei gewesen und kann das als Verantwortlicher beurteilen. Das war war eine handballerische Problematik. Spanien hat uns Aufgaben gestellt, die wir einfach handballerisch nicht lösen konnten. Wir versuchen uns jetzt, wenn wir zusammen sind, über eine klare Spielidee eine Sicherheit zu holen.

In den verschiedenen Bereichen weiß dann jede Spielerin, was die jeweiligen Stärken sind, wenn wir mit Formation A oder Formation B auf der Platte stehen. Das bringt uns Sicherheit, die wir uns im Training erarbeiten. Das soll dann zum Tragen kommen, wenn wir in der Crunchtime sind oder mal eine Negativserie auf uns einprasselt.

Wir können intern unseren Kreis so schließen, dass wir überzeugt sind von unserer Qualität. Die Bewertungen, die dann von außen kommen, die sollten uns nicht treffen.  Wir gehen unseren Weg und den bereiten wir vor. Ich bin daher guter Dinge, weil wir das bislang gut gemacht haben.

Über Lösungsansätze für die Position im halbrechten Rückraum:

Ich denke, dass wir im letzten Turnier schon sehr linkslastig waren, das war unsere Hauptangriffsseite. Jetzt hat sich leider Julia Maidhof verletzt, was natürlich zuallererst für sie ein sehr bitterer Moment ist.

Wir haben mit Viola Leuchter eine Spielerin, die eine sehr, sehr gute Entwicklung genommen hat und uns Möglichkeiten gibt, die wir vorher nicht in unserem Spiel hatten. Allerdings ist es auch so, dass sie jung ist, ihr erstes Turnier spielt und wir sie deshalb von der Last freihalten müssen. Aber ich bin bei ihr super überzeugt, dass sie weiß, was sie kann und auch das Selbstbewusstsein mitbringt.

Durch den Ausfall von Julia ist Dienstagabend erstmal eine Situation entstanden, die wir nicht erhofft hatten. Wir haben Spielerinnen im Kader, die diese Position begleiten können und wir müssen eben schauen, welche Qualitäten die jeweilige Spielerin mitbringt und was wir dann in welcher Situation für uns nutzen können.

Über die aktuellen Kräfteverhältnisse im internationalen Frauenhandball:

Es hatten jetzt alle eine lange Nationalmannschaftspause. Was auffällt ist zum Beispiel die Möglichkeit der Französinnen gewesen, im Sommer eine lange Zeit zusammen zu sein. Das ist für eine Nationalmannschaft natürlich eine tolle
Rahmenbedingung.

Aber losgelöst von diesen Dingen glaube ich, wie ich es auch letztes Jahr schon gesagt habe, dass Frankreich, Norwegen, Schweden und Dänemark noch einen Schritt voraus sind. Die Schwedinnen sind zwar nicht unter den Top 4 gelandet, aber ich finde, dass sie eine sehr gute Entwicklung genommen haben.

Die anderen drei gehören quasi immer dazu. Alles, was danach kommt, kann man sehr gut an Polen festmachen. Die haben bei der Europameisterschaft eine zweistellige Platzierung erreicht. Aber wir haben gesehen, dass das eine richtig gute Mannschaft ist, die über viele taktische Mittel und gute individuelle Qualität verfügt.

Und da sieht man einfach an dem Beispiel, wie schnell das in diesem Bereich gehen kann. Alle Teams, die den Top 4 folgen, haben ähnliche Voraussetzungen, aber auch ähnliche Probleme. Oder eben nicht diese Breite, die die anderen haben. In dem
Bereich sind wir auch.

Ich bewerte aber vor allem unsere eigene Entwicklung und die gefällt mir. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir Schweden angreifen, um uns dann Stück für Stück den anderen nähern zu können.

Über die gewonnene internationale Erfahrung seiner Leistungsträgerinnen:

Einige unserer Spielerinnen haben mittlerweile sehr viel Erfahrung im internationalen Bereich.  Beispielsweise Xenia Smits, die gerade in der Champions League für Furore sorgt. Sie hat  auch in der vergangenen Saison eine sehr gute Runde gespielt.

Dazu arbeitet Alina Grijseels jetzt täglich mit den weltbesten Spielerinnen in Metz und Emily Bölk
hat beim Final Four viel Fokus auf zwei ganz wichtige Spiele bewiesen.

Ich glaube schon, dass uns das helfen wird. Das sind Sachen, die kannst du eben auf höchstem Niveau lernen. Es ist eine Auszeichnung, dass wir deutsche Spielerinnen in diesen Clubs haben und mit den deutschen Vereinen inklusive der deutschen Spielerinnen in so einen Bereich vorstoßen können.

Borussia Dortmund und der Thüringer HC waren im Final Four der European League, Bietigheim hat den Titel im Jahr davor gewonnen und ist in der Champions League richtig gut dabei. Das hilft auf jeden Fall und ich glaube, dass das auch wichtige Orientierungspunkte für die Spielerinnen sein können, die dieses Niveau nicht täglich erleben.

Über die Erwartungen an das Spiel gegen die Ukraine:

Von der Favoritenrolle werden wir uns nicht freisprechen wollen, warum auch? So selbstbewusst sind wir. Mit Mia Zschocke und Julia Maidhof fallen jetzt zwei Spielerinnen aus. Wir haben dafür mit Julia Behnke ein paar neue Impulse am Kreis. Sie
müssen wir auch entsprechend integrieren.

Natürlich will ich auch die Dinge sehen, die wir uns in dieser Woche erarbeitet haben. Da ging es um die Basics in der Deckung, die wir als absolute Grundvoraussetzung haben. Wir haben auch viel im Bereich Tempospiel gemacht, dass wir einfach mit mehr Speed über das Feld kommen und die Entscheidungen im Tempo eben auch gut und richtig sind, egal wie vorher die
Belastung war. Solche Dinge will ich einfach sehen.

Daran muss ich nachher unsere Leistung bewerten. Haben wir die Dinge, die Auftakthandlungen, die alt oder neu waren, umgesetzt? Welche Knotenpunkte haben wir erarbeitet und kommen die oder kommen die nicht?

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