“Vielleicht war es ein Weckruf zur richtigen Zeit?”

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“Vielleicht war es ein Weckruf zur richtigen Zeit?”


December 9, 2021




Die Lage der Nation – Teil 4

 

Eigentlich ging es für die deutschen Frauen gegen Kongo ganz ordentlich los. Betrachtet man das Ergebnis und den Zwischenstand von 7:2, dann müsste man im DHB-Lager zufrieden sein. Aber richtiges Wohlbefinden strahlte nach dem klaren Erfolg gegen die Afrikanerinnen eigentlich niemand aus. Mit elf Toren Unterschied gewann die Groener-Sieben, doch die Laune der Beteiligten ist ein klarer Fingerzeig, wohin diese Mannschaft noch möchte.

Was war passiert?

Bis auf die Tribüne von Granollers war zu spüren, dass die Intensität aus der Vorrunde in Lliria, zumindest für dieses Spiel, die Reise nach Barcelona nicht mitgemacht hatte. Es fehlte an Ausstrahlung und Körpersprache. “Wir werden darüber nochmal sprechen, das war nicht gut”, sagte Henk Groener hinterher. “Mit diesem Spiel kann keiner zufrieden sein. Wir fangen schon schlecht an und laufen die gesamte Zeit unserer Form hinterher.”

Deutliche Worte des Bundestrainers, der in der Regel den Fokus gerne auf die positiven Aspekte legt, dieses Mal jedoch mit Kritik nicht sparte. “Vielleicht war es ein Weckruf zur richtigen Zeit”, meinte der Niederländer. Nicht gefallen haben dürfte ihm auch das erneute Auslassen vieler Großchancen. Alleine in den ersten Minuten wurden vier klare Gelegenheiten vergeben. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Turnier, trotz bislang vier meist sehr souveräner Erfolgen.

Seine Spielerinnen stimmten ihm jedenfalls zu. Lena Degenhardt und Lisa Antl, die bislang selten zum Einsatz gekommen waren, konnten sich zwar über reichlich Spielzeit freuen. Über die Leistung hingegen nicht. Bei beiden herrschte Einigkeit in Bezug auf die mangelnde Körpersprache. “Am Ende müssen wir auch die dreckigen Spiele gewinnen und wir haben die beiden Punkte”, brachte es Antl auf den Punkt.

Der fehlende Fokus, so macht es nach den Äußerungen der Beteiligten den Eindruck, sollte morgen gegen Korea nicht zum Problem werden. Der Auftritte gegen den Kongo ärgerte alle, egal mit wem man sprach. Das bislang durch Leidenschaft, Wille und eine grandiose Abwehr erarbeitete Selbstvertrauen sollte nach der Partie gegen Kongo nicht bröckeln.

Korea ist allerdings ein ganz anderes Kaliber und wird das deutsche Team vor komplett andere Aufgaben stellen, als die bisherigen Gegner. Flinke Beine, enorm hohes Spielverständnis und eine gute Technik zeichnen die Asiatinnen aus. Deren Abwehrleistungen lässt jedoch zu wünschen übrig. Nur gegen Kongo kassierten die Olympiasiegerinnen von 1988 weniger als 25 Treffer. Mit durchweg hohem Tempo sollten sie zu knacken sein.

Wie ist also die Lage der Nation nach den vier WM-Begegnungen?

Grundsätzlich positiv. Die Qualität im Kader ist deutlich höher, als in den letzten Jahren. Neue Führungsspielerinnen wie Alina Grijseels und Emily Bölk geben den Weg vor – die Richtung stimmt. Respekt darf man vor Korea haben, gleichzeitig sollte man die eigenen Stärken nicht vergessen. Bringt man selbige auf die Platte, wird man am Ende über den Einzug ins Viertelfinale jubeln dürfen.

/ Sascha Staat

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