Von der Welle gedrückt

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Von der Welle gedrückt


January 16, 2024




Die Lage der Nation: Von der Welle gedrückt

 

von Sascha Staat

 

Irgendwie war am Ende dann doch alles wie erwartet. Frankreich spielt bei einem Turnier gegen das deutsche Team und klar, Frankreich gewinnt. Trotz des Unentschiedens zwei Tage zuvor gegen die Schweiz konnte die Truppe von Guillaume Gille genau dann wieder ihre Qualitäten abrufen, als es nötig war. Die beinharte Defensive um den erfahrenen Mittelblock mit Luka Karabatic drückte die DHB-Auswahl von der Welle, auf der sie bislang in diesem Turnier geritten war.

„Das ist einfach ein anderes Level“, gab Juri Knorr im Anschluss an die Partie in der Mixed Zone offen zu. „Sie haben einfach viel mehr Erfahrung, in allen Bereichen. Aber trotzdem hatten wir heute eine Chance. Die Qualität haben wir. Es hat uns insgesamt als Gruppe einfach ein ganz kleines bisschen gefehlt. Was genau, das weiß ich nicht. Vielleicht war es die letzte Konsequenz oder in den letzten Minuten einfach die Ruhe.“

Genau diese Ruhe strahlt keine Mannschaft so aus wie die Franzosen, vielleicht nicht mal der aktuell dreifache Weltmeister aus Dänemark. Frankreich wirkte trotz eines schnellen Rückstands zu keinem Zeitpunkt hektisch, irgendwann kam vor allem die Defensivstärke des Olympiasiegers zum Tragen. Für Knorr war es besonders schwer, denn die Franzosen kontrollierten seine Kooperation mit den Kreisläufern relativ gut. Das gelang vor allem, weil die deutschen Halbspieler zu drucklos waren.

Julian Köster erwischte offensiv keinen guten Tag, Kai Häfner benötigt Platz für seine Durchbrüche. Weil sich aber viel auf die Mitte konzentrierte, taten sich diese Lücken nur selten auf. Die Außen im deutschen Team, die mit Lukas Mertens und Timo Kastening zur gehobenen internationalen Klasse zählen, verhungerten mehr oder weniger. Sieben Abschlüsse sind insgesamt zu wenig, gerade wenn es aus dem Rückraum nicht sonderlich gut läuft.

Die Niederlage ist umso ärgerlicher, wenn man die erneut bärenstarke Leistung von Andreas Wolff in Betracht zieht. Der deutsche Keeper, der gegen Mazedonien von seiner Normalform weit entfernt war, konnte sofort wieder in die Spur finden. Mit 16 Paraden, dazu zwei von David Späth, legte er die Basis für einen möglichen Sieg. Allerdings kann auch nicht erwartet werden, dass er jedes Mal mehr als 20 Würfe pariert. Die Fangquote war herausragend, keine Frage.

Alfred Gislason wird in den kommenden Spielen also einen Weg finden müssen, seine Stammspieler mehr zu entlasten und Pausen zu verschaffen. Nur so können Juri Knorr, Julian Köster und Johannes Golla in engen Partien auch in der Schlussphase noch die nötige Leistung abrufen. Das war gegen die Franzosen ein entscheidender Faktor. Vertraut der Isländer Akteuren wie Sebastian Heymann, Renars Uscins oder Jannik Kohlbacher nicht mehr, dann droht die Luft auszugehen.

Interessant zu sehen sein wird auch, ob der Bundestrainer nochmal Nils Lichtlein in den Kader berufen wird. Der junge Berliner bietet extrem viel Schnelligkeit, ein gutes Auge für seine Mitspieler und ist den meisten Gegnern noch gänzlich unbekannt. Eine Alternative wäre Knorr Zeit auf der Halbposition zu geben und Lichtlein als Linkshänder auf der Mitte einzusetzen. Ob der Isländer, der gerne auf eine eingespielte Truppe setzt, diesen Mut aufbringen wird? Tendenz: Fraglich.

Fazit: Für den Moment wurde die Mannschaft von der Welle gedrückt Das Publikum in Köln kann sie aber ganz schnell wieder auf eine neue Welle heben. Sofern denn die Kraft ausreicht.

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