“Wir sind auf einem guten Weg”

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“Wir sind auf einem guten Weg”


March 5, 2023




von Sascha Staat

 

Die deutschen Frauen gewannen am Sonntag auch ihr zweites und letztes Spiel im Rahmen eines 3-Länder-Turniers und schlugen Polen mit 32-30. Bundestrainer Markus Gaugisch nahm sich direkt im Anschluss Zeit für ein Interview und eine umfangreiche Analyse.

Glückwunsch zu zwei Siegen hier bei diesem 3- Länder-Turnier. Ich finde es waren insgesamt zwei gute Vorstellungen. Wie fällt Dein Fazit aus?

MG: Denke ich auch. Vor allem zwei gute Veranstaltungen. Ich glaube wir konnten für den deutschen Frauenhandball Werbung machen. Die Männer haben vorgelegt, wir haben die Welle mitgenommen und haben jetzt eben auch unser Zeichen gesetzt. Das ist bei allem Handballerischem auch wichtig, glaube ich, dass diese Entwicklung vorangeht. Und das waren tolle Veranstaltungen. Was den Handball angeht haben wir das gemacht oder haben wir das umsetzen können, was wir bearbeitet haben in der Woche. Also von daher bin ich auch sehr zufrieden. Wir haben uns sehr, sehr viel mit dem Angriffsspiel beschäftigt. Wir haben heute mal über 30 Tore geworfen und haben vor allem auch eine viel breitere Aufstellung gehabt. Wir haben auch unterschiedliche Spielertypen kennengelernt. Wir haben auch über Außen Impulse gesetzt. Das hat gut funktioniert und es freut mich, dass wir diesen Schritt gegangen sind.

Da ist es ja fast schon schade, dass man da bei einem Turnier immer nur 16 Spielerinnen auf den Spielberichtsbogen schreiben kann. Zumal ich schon den Eindruck hatte, dass kaum ein Leistungsabfall zu erkennen war. Und das ist etwas, was in den letzten Jahren ja häufig der Fall gewesen ist, in Spielen und Turnieren.

MG: Ja, absolut. Wir haben heute gesehen, dass zum Beispiel Annika Lott ein fantastisches Spiel gemacht hat, vorne und hinten. Dann haben wir sie ausgewechselt, dann kommt Marie Michalczik rein und haut am Ende noch eine entscheidende Bude in den Winkel. Das war schon gut, auch, dass wir das verteilen können. Rechts haben wir zwei Leute dabeigehabt, die ihren Beitrag geleistet haben. Beim Kreis waren alle drei dabei, im Tor waren alle beteiligt und da ist gut, das brauchen wir.

Drei der vier Hälften waren gut, vielleicht sogar sehr gut. Die erste Hälfte gegen Polen offensiv sicherlich auch, aber defensiv nicht. 17 Gegentore sind zu viel. Wie kam es dazu?

MG: Genau, das ist zu viel. Wir haben die Rückraumschützen nicht so unter Druck gesetzt. Dann ist uns vielleicht so ein bisschen die Lockerheit abhanden gekommen. Dann haben wir angefangen zu denken was passieren kann und das ist meistens schon der Fehler. Plötzlich haben wir die Aktionen, die wir zu 100 Prozent machen, nicht so hingekriegt. Und das war in der ersten Halbzeit, glaube ich, das Problem. In der zweiten Halbzeit müssen wir das Spiel einfach früher zumachen. Da müssen wir abgezockter sein.  Da machen wir ein paar wilde Dinge, die uns dann hinten raus noch mal Stress bringen.

Interessant ist auch, dass ihr euch gegen Polen bei der Europameisterschaft offensiv unglaublich schwergetan habt. Nun waren einige Spielerin von damals nicht mit dabei. Aber heute habt ihr auch offensiv besser agiert, weil ihr das umgesetzt habt, was ihr in dieser Woche auch trainiert habt.

MG: Ja, genau. Wir haben ein paar Handlungen erweitert, haben versucht auch diese Qualität mit einzubringen, die wir ja im Team haben. Das müssen wir Stück für Stück entwickeln und das war eigentlich am Freitag auch schon der Fall. Wir haben von unterschiedlichen Positionen getroffen, haben vom Kreis getroffen, haben zum Beispiel von “Downtown” mit Viola Leuchter am Freitag sehr, sehr gut getroffen.

Heute haben Julia Maidhof und Annika Lott auch Rückraum-Tore gemacht und das sind Dinge, die wir bei der EM nicht in der Anzahl hatten. Das war das, was wir haben wollten und auch über Außen hatten wir einfach mehr Abschlüsse. Das ist uns gelungen. Deshalb bin ich mit dem Angriffsspiel absolut zufrieden.

Ich habe Xenia Smits nach dem Spiel am Freitag gegen Ungarn gefragt, was bei euch im Vergleich zur Europameisterschaft besser geworden ist. Sie hat gesagt, dass sie einfach nochmal mehr Zeit mit Dir hatten. Es ist ja schon ein wenig kurios, denn Du bist noch nicht mal seit einem Jahr Trainer dieser Mannschaft. Sie hat auch von einem Puzzle gesprochen. Was glaubst Du, wie viel fehlt noch bei diesem Puzzle, bis das so ist, wie Du Dir das vorstellst?

MG: Also wichtig ist die Basis. Und die haben wir jetzt. Ich glaube, wir haben ein paar Dinge, die wir im richtigen Moment abrufen können. Immer dann, wenn es mal nicht so funktioniert, wenn wir sagen, wir wissen worauf wir uns zurückstufen können. Genau das haben wir gebaut.

Jetzt haben wir in dieser Woche das Puzzlestück Angriff ein bisschen verändert, haben zum Beispiel auch am Freitag eine schlechte Gegenstoßeffizienz gehabt und haben das angesprochen. Wir haben da heute viel, viel besser agiert, waren viel, viel kaltschnäuziger im Gegenstoß und das war wieder so ein Puzzlestück, das wir brauchen.

Das Angriffsspiel ein bisschen Rückraum-lastiger zu gestalten, war auch ein Puzzlestück. Und beim nächsten Lehrgang wird man sicherlich versuchen, auch in der Deckung noch eine Variante mehr zu haben.

Heute hat man zum Beispiel gesehen, wenn man in der Halbzeit etwas umgestellt, dass das super funktioniert. Xenia Smits ist dann nach dem Auftakt offensiv in die 5:1-Deckung gegangen. Solche Sachen brauchen wir noch, dass wir hinten einfach noch stabiler und auch flexibler werden. Das dauert halt, bis es diese Basis gibt. Aber wir sind auf einem guten Weg.

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