“Wir sind die bessere Mannschaft – Punkt”

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“Wir sind die bessere Mannschaft – Punkt”


November 8, 2022




von Sascha Staat

Das Spiel gegen Montenegro war geprägt von einer sehr heißen und hitzigen Atmosphäre. Alle haben vor dem Spiel gesagt, dass ihr das genießen wollt. Konntest Du es genießen, trotz der Niederlage am Ende?

Meike Schmelzer: Also ein bisschen schon, vielleicht muss man die Niederlage etwas ausklammern. Aber die Atmosphäre, das war schon richtig cool. Da kriege ich immer noch Gänsehaut, auch wenn es natürlich eher gegen uns war. Aber irgendwie pusht einen das dann doch. Und so etwas erlebt man gerade im Frauenhandball wirklich nicht oft und das war schon cool. Aber eigentlich wollten wir die Atmosphäre noch ruhiger bekommen. Das haben wir phasenweise geschafft, aber leider nicht zu 100 Prozent. Und ja, dass wir verloren haben, ist einfach schade, weil wir voll auf Sieg gespielt haben und es nicht geschafft haben.

Glaubst Du denn jetzt in der Nachbetrachtung, dass ihr dieses Spiel hättet für euch entscheiden können, trotz dieser Atmosphäre?

M. Schmelzer: Ja, ich glaube schon. Also ich finde, dass ein Sieg schon drin war. Wir haben phasenweise gut mitgehalten, gute Aktionen gezeigt. Wir sind auch direkt mit 3:1 in Führung gegangen. Da hatte ich das Gefühl, okay, wir sind da. Und wenn wir es dann noch ein bisschen länger geschafft hätten in Führung zu bleiben, dann glaube ich, hätten wir bei den Montenegrinerinnen mehr Stress verursacht und dann hätten sie wahrscheinlich auch mehr Fehler gemacht, auch trotz einiger abgezockter Spielerinnen. Aber ich denke schon, dass wir das Niveau haben können, Montenegro auch in so einer Atmosphäre zu schlagen.

Was hat denn aus Deiner Sicht gestern nicht funktioniert? Cleverness hat Markus Gaugisch schon angesprochen, das war bei Montenegro auf jeden Fall ein Faktor.

M. Schmelzer: Ja, also man hat jetzt in den letzten beiden Spielen eigentlich schon gesehen, dass bei uns sehr viel über die Mitte und den linken Rückraum läuft. Das sind auch unsere stärksten Spielerinnen, das muss man so sagen. Klar ist auch, dass eine gegnerische Abwehr sich darauf fokussieren kann und das wir auch ab und an ein bisschen Entlastung brauchen. Das soll nicht als Vorwurf gestaltet sein, das ist einfach so. Wir müssen schauen, dass wir unsere rechte Seite besser ins Turnier bekommen. Wir haben, denke ich, auch einige Optionen. Xenia hat das gestern gut gelöst. Leider war sie in der zweiten Halbzeit nach fünf Minuten mit der dritten Zeitstrafe raus. Was das Thema Cleverness angeht denke ich, da haben die Montenegrinerinnen das sehr, sehr abgezockt und clever gestaltet die dritte Zeitstrafe rauszuholen. Die Schiedsrichter sind darauf eingegangen…

Reingefallen oder eingegangen?

M. Schmelzer: Ich sage mal eingegangen. Das sind eben diese Kleinigkeiten, die auf diesem Niveau dann entscheiden. Und wenn Du überall mal so einen Punkt weniger hast, dann macht das den Unterschied. In solchen Situationen müssen wir noch wachsen und mehr Spielerinnen auch diese Verantwortung geben. Es ist klar, dass Alina und Emmy diese Verantwortung übernehmen müssen, das tun sie auch und das machen sie richtig gut. Aber gerade auch in diesen Situationen, wenn eben die Abwehr auf diese zwei Spielerinnen so fokussiert ist, dann müssen wir Entlastung schaffen.

Es ist natürlich jetzt ein Risiko mit dem Spiel gegen Spanien. Bei einer Niederlage ist man gar nicht in der Hauptrunde, je nachdem wie hoch man verliert. Aus meiner Sicht ist es aber auch eine Chance zu zeigen, dass die Entwicklung der letzten Jahre in die richtige Richtung gegangen ist, insbesondere auch die der letzten Monate. Müsst ihr euch dessen insgesamt als Mannschaft richtig bewusst werden, dass die Chance viel größer ist als das Risiko?

M. Schmelzer: Ja, ich würde auch sagen, dass wir es genauso angehen. Also wir werden uns heute extrem darauf fokussieren, wie wir die Spanierinnen schlagen können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Potenzial haben. Und es ist, wie Du sagst – die Chance ist größer, als das Risiko. Und von vornherein haben wir gesagt, wir wollen in die Hauptrunde. Und das steht ganz oben. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir das schaffen.

Was hat sich im Vergleich zu dem WM-Viertelfinale gegen Spanien vor einem Jahr bei beiden Teams verändert?

M. Schmelzer: Also ich muss sagen, ich habe die beiden Spiele von Spanien jetzt nur ein bisschen gesehen. Ich muss jetzt noch mal ins Studium gehen. Ich glaube, von der Spielanlage sind die Spanierinnen immer sehr unangenehm. Es sind viele 1-gegen1-Aktionen dabei, sie arbeiten viel mit der indirekten Sperre am Kreis. Da muss unsere Abwehr auch wieder bombenfest stehen und unseren Torhüterinnen helfen. Aber es fehlen schon auch ein paar Spielerinnen bei Spanien, die spielentscheidend waren. Alicia Fernandez war angeschlagen und hat jetzt gegen Polen gespielt. Sicherlich wissen wir was da auf uns zukommt. Aber ich denke, dass wir uns in den letzten Monaten insofern weiterentwickelt haben, dass wir sehr selbstbewusst in das Spiel gehen können und sagen können, ja, die schlagen wir.

Jetzt hast Du die Defensive angesprochen und normalerweise sagt man auch immer, die Defensive gewinnt die Spiele. Ich stelle jetzt mal die These auf: Am Mittwoch gewinnt die Offensive das Spiel, also eure Offensive.

M. Schmelzer: Klar, zum Handball gehören natürlich auch Tore. Wir haben im Positionsangriff schon noch eher mehr Potenzial, aber wir können das auch. Und ich finde, das haben wir gegen Frankreich gezeigt, gegen eine Mannschaft, die international meiner Meinung nach die beste Abwehr stellt. Wir haben sogar gegen Frankreich 29 bzw. 31 Tore geworfen und das sollte uns auch das Selbstbewusstsein geben zu sagen, okay, wir können das und wir können auch im Angriff gut spielen. Wir brauchen sicherlich sehr viele 1-gegen-1-Aktion und müssen da auch ein bisschen auf das Fingerspitzengefühl der Schiedsrichter hoffen. Gegen Polen wurde viel rein gepfiffen oder auch nicht gepfiffen. Ich würde mich freuen, wenn wir morgen im Angriff noch ein bisschen mehr in den Flow kommen. Aber ganz klar ist unsere Abwehr der Grundstein.

Trotzdem muss ich nochmal auf den Angriff zu sprechen kommen. Ich habe Fotos vom Spiel gestern gesehen, da bist Du komplett frei, aber bekommst den Ball nicht. Vielleicht kannst Du diese Situation mal erklären, warum das dann nicht funktioniert…

M. Schmelzer: Gute Frage. Gegen Polen hat es in der zweiten Halbzeit zwei, drei Mal ganz gut funktioniert. Es ist aber auch ein Risiko den Ball noch weiter zu spielen, wenn man im Kontakt ist. Denn wenn die Schiedsrichter nicht pfeifen und der Ball ist weg, dann ist es für uns eine blöde Situation. Wir haben eben diese vielen 1-gegen-1-Aktionen, wo auch gerade Alina ganz oft im Körperkontakt ist und dann den Ball noch weiter zu bekommen., das ist schon eine hohe Kunst. Ich habe mir das Spiel jetzt noch nicht angeschaut. Ich müsste selbst mal gucken, in welchen Situationen das jetzt der Fall war. Aber ja, es ist halt manchmal so, da geht nicht so viel über einen Kreis. Es war natürlich auch eine sehr physische Abwehr. Aber wenn Du sagst ich stand frei, dann werde ich mit meinen Rückraumspielerinnen noch mal drüber reden (lacht).

Warum gewinnt ihr dieses Spiel gegen Spanien? Und auch da noch mal eine These: Ich glaube ihr seid eigentlich die deutlich bessere Mannschaft.

M. Schmelzer: Also, wenn Du das jetzt nicht drangehangen hättest, hätte ich es gesagt: Weil wir die bessere Mannschaft sind. Punkt.

 

 

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