Zeit für den Startschuss

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Zeit für den Startschuss


November 26, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für den Startschuss

 

von Sascha Staat

 

Es ist gefühlt immer ein Rennen gegen die Zeit, das nur schwer zu gewinnen ist. Nationaltrainer hätten genau davon gerne mehr, mehr Zeit. Unter dem Motto „Rennen gegen die Zeit“ werden seit gut einem Jahr die Leistungen der deutschen Handball Frauen beleuchtet. Die waren mal ein bisschen besser, mal ein bisschen schlechter. Konstanz auf hohem Niveau ist nach wie vor das ganze große Ziel

Wenige Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden, bei dem die DHB-Auswahl glücklicherweise nur in Herning auf die Platte muss und sich daher weite Reisen sparen kann, zeigten die Testspiele gegen eine hoch eingeschätzte schwedische Truppe, die beiden Gesichter der Mannschaft. So gab es am Freitag einen 33:30-Sieg zu bejubeln, am Sonntag setze es eine mit sieben Treffern am Ende deutliche Niederlage, die allerdings zu hoch ausfiel.

Wie sind die Ergebnisse und die Verläufe der einzelnen Partien unmittelbar vor dem WM-Auftakt gegen formstarke Japanerinnen, die in der Vorbereitung unter anderem Spanien schlagen konnten, einzuordnen? Die beiden Duelle  gegen die Skandinavierinnen haben jedenfalls die Stärken, als auch die Schwächen des Teams aufgezeigt. Die personellen Voraussetzungen waren jeweils andere, zudem testete Markus Gaugisch eine Menge aus, unter anderem in der ersten Partie das Spiel mit zwei Kreisläuferinnen in Überzahl.

Die Ansätze wussten zu gefallen, zumal es den Gegner vor eine Aufgabe stellte. Mit einer Kreisspielerin mehr zu agieren war in den vergangenen Jahren nicht immer die herausragende Fähigkeit der DHB-Sieben, nimmt aber eine große Rolle im Handballsport ein. Hier eine höhere Effizienz an den Tag zu legen ist enorm wichtig, wenn Deutschland mal wieder ein Halbfinale erreichen möchte. Es sieht so aus, als wäre in diesem Bereich eine Verbesserung in Dänemark zu erwarten.

Dass im Rückzug nicht alles perfekt lief, sollte zu denken geben, aber keine Kopfschmerzen bereiten. Schweden gehört in diesem Bereich schließlich zur Weltspitze. Nicht jeden langen Ball des Gegners wird man ablaufen könnten, aber man sollte geistig dazu bereit sein. Es geht um Aufmerksamkeit, ein weiterer sehr wichtiger Punkt. Wach zu sein, nicht abzuschalten, in keiner Phase des Spiels. Besonders ab dem Viertelfinale, aber auch schon früher, keine gedanklichen Pausen mehr erlaubt.

Der Positionsangriff um Spielmacherin Alina Grijseels wusste im ersten Test mit dem Co-Gastgeber der WM durchaus zu überzeugen. Die Effizienz war relativ hoch und selten wurde man hektisch. Gerade als Schweden den Rückstand verkürzte und die Partie zu kippen drohte, hielt man dagegen und behielt in der Schlussphase die Ruhe. Die junge Viola Leuchter zeigte, dass sie auch in kritischen Situationen zu einem wichtigen Faktor werden kann.

Positiv erwähnen sollte man genauso Lisa Antl, die ein ganz anderes Profil anbietet, als die anderen Kreisläuferinnen, Meike Schmelzer und Julia Behnke. Letztere gibt Bundestrainer Gaugisch neben Schmelzer eine zusätzliche Option für den Innenblock, für den außerdem Emily Bölk, Annika Lott und Xenia Smits zur Verfügung stehen. Ein Problem ist, dass Smits sich eine leichte Verletzung im Oberschenkel zuzog und im ersten Spiel nur wenig, im zweiten Spiel gar nicht zum Einsatz kam.

Am Sonntag sorgte ein schwacher Beginn dafür, dass Schweden den Deutschen regelrecht davonlief. Das darf während der Weltmeisterschaft nicht passieren, womit wir wieder beim Thema wären. Es gilt aufmerksam zu sein, über 60 Minuten. Spiele werden selten in den ersten Minuten gewonnen, aber sie können in den ersten Minuten verloren werden. Umso höher ist es einzuschätzen, dass es plötzlich wieder 20:20-Unentschieden stand und man sich eben nicht beirren ließ.

In der Endphase der Partie bekamen dann Toni Reinemann und Mareike Thomaier die Chance sich zu beweisen. Die Struktur im Angriff ging dadurch etwas verloren und die 23:30-Pleite fiel somit deutlich höher aus, als es dem Spielverlauf entsprach. Aber: Das zweite Duell mit Schweden zeigte klar, dass Gaugisch und seine Mannschaft an das bereits erwähnte Maximum kommen müssen, um mit den besten Teams der Welt mithalten oder sie gar schlagen zu können.

Möglich ist das auf jeden Fall, wie die Begegnung am Freitag zeigte. Da auch dieses Spiel nicht fehlerfrei über die Bühne ging, sollte es Mut machen. Mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mehr Glaube an die Stärken. So wie Antje Döll es zu Beginn der Vorbereitungsphase  formulierte: „Dieses Team ist so gut wie nie.“

Solch klare Worte hörte man in der Vergangenheit selten. Nun ist es Zeit für den Startschuss, wobei Herning nicht nur eine Zwischenstation in Richtung Olympische Spiele in Paris werden sollte.

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