Zeit für die Feinheiten

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Zeit für die Feinheiten


February 28, 2024




Die Lage der Nation: Zeit für die Feinheiten

 

von Sascha Staat

 

Gut zweieinhalb Monate sind vergangen, seitdem die deutschen Frauen das letzte Mal gemeinsam bei einem Spiel auf der Platte standen. Es war der 17. Dezember und die Partie um den fünften Platz bei der Weltmeisterschaft in Dänemark. Das Ergebnis ist bekannt. Nach einer schwachen Phase zu Beginn der Partie lief man einem zu deutlichen Rückstand hinterher, unterlag den Niederlanden und wurde am Ende Sechster. So viel zu den nackten Fakten.

Wie genau es dazu gekommen war, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Mit teilweise sehr guten Auftritten, teilweise allerdings auch mit eklatanten Fehlern. Ein Trend nach oben war zu erkennen, als es jedoch darauf ankam flatterten die Nerven. Mal wieder.  Die Qualitätsfrage wurde gestellt, nach den Leistungen und ähnlichen Platzierungen in den Vorjahren (man kam gleich drei Mal in Serie auf Rang sieben ins Ziel), durchaus berechtigt. Woran hapert es?

Die Gründe dafür sind vielschichtig, vor allem aber sind sie bis zu den kommenden Spielen nicht mehr zu beheben. Gleich zwei Partien stehen in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2024 an, die Slowakei würde der Gaugisch-Sieben nur allzu gerne ein Bein stellen. Das ist allerdings sehr unwahrscheinlich, es wäre eine faustdicke Überraschung. Den Worten von Julia Behnke, dass man klarer Favorit sei, muss man uneingeschränkt zustimmen. So und nicht anders.

Im April geht es dann direkt weiter, erneut warten Quali-Spiele. Zwei gegen Israel und eines gegen die Ukraine. Ausgetragen werden sie allesamt in Heidelberg, ein Kuriosum. Drei Begegnungen an nur einem Spielort gegen eher unattraktive Gegner in nur vier Tagen, für den Verband kein Glücksfall. So ehrlich darf man an dieser Stelle durchaus sein. Es spart Reisekosten, mehr aber auch nicht. Es wird spannend zu sehen sein, wie voll die Halle jeweils sein wird.

Die Mannschaft sollte zu diesem Zeitpunkt aber selbstbewusst genug sein, um diese Partien nur als eine Art Testlauf zu betrachten. Als Test für das, was Mitte April auf das Team wartet. In Neu-Ulm geht es dann gegen Montenegro, Slowenien und den krassen Außenseiter Paraguay um ein Ticket für die olympischen Spiele in Paris (und Lille). In Neu-Ulm reicht der zweite Platz aus, wenn man zum ersten Mal seit 2008 wieder am größten Sportevent der Welt teilnehmen möchte.

Umso bitterer ist, dass ausgerechnet jetzt wichtige Stammkräfte fehlen. Viola Leuchter verletzte sich schon in Herning und fällt weiterhin aus. Ob sie in gut sechs Wochen wieder fit ist? Äußerst fraglich. Amelie Berger zog sich erst vor wenigen Tagen eine Verletzung zu, deren Ausmaß noch nicht bekannt ist. Allerdings steht im Raum, dass es sich um einen Kreuzbandriss handeln könnte. Es wäre schon der zweite ihrer noch jungen Karriere, die Daumen sind definitiv gedrückt.

Xenia Smits fehlt ebenfalls. Genauso wie bei Berger hielten sich ihr Verein und der Verband bedeckt, eine genaue Diagnose wurde nicht bekanntgegeben. Sämtliche Ausfälle treffen den Bundestrainer, es sind drei Stützen seiner Mannschaft. Gerade im Rückraum wird es in Neu-Ulm auf Erfahrung, Talent, Qualität und Nervenstärke ankommen. Nun muss also an den Feinheiten gearbeitet werden, Zeit für Experimente bleibt keine mehr. Denn der große Traum rückt immer näher.

Fazit: Die aktuellen Spiele sind nicht mehr als eine Art Aufwärmphase, um im April im Vollsprint auf die Zielgerade einzubiegen. Dafür muss bei der Stabübergabe das Timing aber perfekt sein.

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