Zeit für ein bisschen Abwehr

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Zeit für ein bisschen Abwehr


December 2, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für ein bisschen Abwehr

 

von Sascha Staat

Gut eine Viertelstunde war in der Jyske Bank Boxen im Spiel zwischen Deutschland und dem Iran
absolviert, als es in der spärlich gefüllten Halle in Herning ein wenig lauter wurde. Die DHB-Auswahl
hatte mal wieder ein wenig lasch in der Defensive agiert und damit zeigte sich Markus Gaugisch
so gar nicht einverstanden. Die Abwehrarbeit seiner Mädels gefiel ihm überhaupt nicht, selten hatte
man den Bundestrainer in seiner bisherigen Amtszeit so aufbrausend an der Seitenlinie erlebt.

Nach dem 45:22-Errfolg gegen den krassen Außenseiter, der zu keinem Zeitpunkt gefährdet war, ging
Gaugisch in den Interviews genau darauf nochmal explizit ein. Für ihn fehlte die Aggressivität, obwohl die
Partie für den weiteren Turnierverlauf im Endeffekt keine Rolle spielt. Doch auch schon gegen Japan
war die eigentliche Stärke der deutschen Mannschaft, die Defensive, nicht immer auf der Höhe.

Am Montag gegen Polen muss das deutlich besser funktionieren, wenn man erfolgreich sein möchte.
Auch die Torhüterinnen müssen sich steigern, denn die Iranerinnen konnten aus dem Rückraum das
ein oder andere Mal überraschen. Es schien, als ob insgesamt der Fokus ein wenig fehlte.

Klar, es ist nicht leicht in so ein Spiel zu gehen, in dem der Sieger vorher schon feststeht. „Ich würde aber nie
einen Gegner unterschätzen wollen“, meinte Lisa Antl nach der Begegnung. Jenny Behrend hatte die
gleiche Meinung. „Man geht immer mit 100 Prozent in das Spiel“, sagte die Rechtsaußen.

Das kann man mit Sicherheit niemanden absprechen, aber es wäre absolut menschlich. Man könnte
nun die Diskussion über die Teilnehmeranzahl bei diesem Turnier beginnen, aber für Nationen wie
eben den Iran, Paraguay oder Kasachstan ist die Weltmeisterschaft ein absolutes Highlight. Darauf
fiebern sie zwei Jahre hin, alleine die erfolgreiche Qualifikation hat für diese Teams eine unfassbar
große Bedeutung. Unabhängig davon muss die deutsche Abwehr eine Schippe drauflegen.

Offensiv, das sollte nicht vergessen werden, gab es kaum Grund für Kritik. Auch Spielerinnen, die im
weiteren Verlauf wahrscheinlich weniger zum Einsatz kommen werden, wie zum Beispiel Debütantin
Toni Reinemann oder Spielmacherin Mareike Thomaier, konnten einige Spielminuten sammeln. Es
war sogar möglich die leicht angeschlagene Annika Lott zu schonen. Ihr kommt allerdings im Spiel
gegen Polen definitiv eine Schlüsselrolle zu.

Das hat gleich mehrere Gründe. Zunächst ist sie mehr als nur eine Alternative geworden. Aber vor
allem ihre Spielweise ist für gegnerische Abwehrreihen nur schwer zu verteidigen. Lott kann die
Abwehr überlaufen, aber auch mit ihrem Schlagwurf für ordentlich Torgefahr sorgen. Das wird es
brauchen, um die polnische Defensive ein wenig zu locken, damit Räume für die Kreisläuferinnen
größer werden. Die Chancen auf einen Sieg stehen dann gut.

Außerdem wird es wichtig sein Monika Kobylinska zu kontrollieren. Sie erzielte beim Erfolg gegen
Japan elf Treffer, wurde allerdings von den Asiatinnen körperlich nicht ausreichend angegangen. Das
DHB-Team deckt auf den Halbpositionen gerne recht hoch und antizipativ, ein perfektes Mittel gegen
die Linkshänderin im polnischen Rückraum. Das Timing muss dann aber besonders gut sein, selbst
kleine Fehler können zu großen Torchancen für den Gegner führen.

Fazit: Vorne läuft es gut bei der Gaugisch-Sieben, jetzt ist es Zeit für ein bisschen mehr Abwehr.

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