Zeit für ein bisschen mehr Mut

Stregspiller Sascha Staat Unplugged, News, Opinions Leave a Comment

Image

Zeit für ein bisschen mehr Mut


December 13, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für ein bisschen mehr Mut

 

von Sascha Staat

 

Viel hatte man vor dem Viertelfinale des deutschen Teams gegen Schweden erwarten können, das aber sicherlich nicht: Erst in der 15. Minute erzielte die Truppe von Markus Gaugisch ihren ersten Treffer, die keineswegs herausragend spielenden Skandinavierinnen hatten zu diesem Zeitpunkt schon sieben Mal jubeln dürfen. Am Ende hieß es 20:27 aus Sicht der DHB-Auswahl, zu deutlich für die eigenen Ansprüche und sehr ernüchternd.

„Es ist beschissen, dass wir heute unser schlechtestes Spiel bei diesem Turnier machen“, sagte Antje Döll im Anschluss. Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Denn wahrscheinlich hätte es nicht mal eine absolut überragende Vorstellung benötigt, um Schweden an diesem Tag zu schlagen. Die spielten gut, aber wirkten nicht unschlagbar. Aber schon nach wenigen Minuten war die Partie mehr oder weniger entschieden, zumindest wirkte es als Außenstehender so.

Es fehlte der Mut und die absolute Gier, um entschlossen in Richtung Tor zu gehen. Das Timing in den Zweikämpfen stimmte nicht, die deutschen Mädels kamen oft einen Schritt zu spät oder, wenn man es anders ausdrücken möchte, Schweden war immer einen Schritt voraus. Bestes Beispiel war Xenia Smits, die bis dato ein überragendes Turnier gespielt hatte. Sie brachte keinen ihrer vier Würfe im Tor unter, dazu kamen drei technische Fehler.

Das wirft natürlich die Frage nach den Gründen auf. Sie war allerdings nicht die Einzige, die eigentlich mit der internationalen Spitze mithalten kann, das aber nicht zeigte. Die Quote von Emily Bölk lag am Ende bei 1/4, die von Alina Grijseels bei 4/9. Katharina Filter, vorher zwei Mal zur Spielerin des Spiels gewählt, hielt nur zwei der elf Würfe auf ihren Kasten. Die vier Außen, Döll, Jenny Behrend, Amelie Berger und Johanna Stockschläder, kamen auf sieben Tore bei 16 Versuchen: Eindeutig zu wenig.

Die beste deutsche Spielerin an diesem Mittwochabend war, neben einer starken Sarah Wachter im Tor, Viola Leuchter, 19 Jahre alt. Sie spielte unbekümmert auf, suchte ihre Chance und traute sich etwas. Natürlich muss sie noch lernen, aber sie macht Mut. Und mutig wäre es gewesen sie bereits früher zu bringen und ins Risiko zu gehen. Denn es war schnell klar, dass es an diesem Tag ordentlich Mut brauchte, um erfolgreich zu sein.

Leuchter bekam nach dem Spiel das entsprechende Lob von ihren Mitspielerinnen. „Das zeigt, dass sie ein unglaubliches Potential hat und unser Kader auch breit genug ist. Aber, und ich nehme mich da nicht aus, die erfahrenen Spielerinnen müssen voran gehen“, meinte Meike Schmelzer, der die Enttäuschung anzusehen war. „Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, auch das ganz Turnier über. Aber Schweden hat heute verdient gewonnen.“

Und das eben nicht mit einer Leistung am Limit. Das ist immens ärgerlich. Vielleicht ist es an der Zeit klarere Maßnahmen zu ergreifen, Dinge noch radikaler zu ändern als nach dem Trainerwechsel von Henk Groener zu Markus Gaugisch bereits geschehen. Mehr Klartext, vielleicht müssen unpopuläre Entscheidungen her. Raus aus der Komfortzone, wie es so schön heißt. Mehr Mut, mehr Risiko, mehr Gier, mehr Biss. Dass die Spielerinnen wollen, steht außer Frage, aber können sie es auch?

Fazit: Ausreden gibt es keine, nur Erklärungen. Wenn fast alle Leistungsträgerinnen im wichtigsten Spiel des Jahres ihr Potenzial nicht abrufen, dann ist es Zeit für mehr Mut. Und ein paar klare Worte.

Latest News:

News Forum Archives:

Podcasts:



« back to view more

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *