Zeit für ein letztes Statement

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Zeit für ein letztes Statement


December 15, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für ein letztes Statement

 

von Sascha Staat

 

Als in Herning beim Platzierungsspiel zwischen Deutschland und Tschechien die Sirene ertönt war und die beste Akteurin ausgezeichnet wurde, da rechneten viele in der Halle wahrscheinlich damit, dass der Name von Petra Kudlockova aufgerufen werden würde. Nur eine Spielerin konnte ihr an diesem Tag die Auszeichnung vor der Nase wegschnappen, Viola Leuchter. Diese Wahl und die Zahlen der Begegnung zeigen auf, wohin es in Zukunft gehen muss.

Auf 18 Paraden kam Kudlockova in 60 Minuten, insgesamt 23 Würfe brauchte die Truppe von Markus Gaugisch nicht im Tor unter. Zahlen, die zu denken geben. Denn bei allem Respekt für die Keeperin der tschechischen Mannschaft, sie gehört definitiv nicht zur europäischen Spitze. Und bei vielen ihrer Paraden musste sie kaum etwas tun.

Natürlich ist das von der Tribüne beobachtet sehr leicht gesagt, die fehlende Variabilität bei den Würfen des DHB-Teams war aber augenscheinlich.

So parierte Kudlockova beispielsweise 60 Prozent der Würfe, die über die Außenposition auf ihren Kasten kamen. Schon im Viertelfinale war das für die Deutschen ein Thema und wurde insgesamt zu einem Problem.

Woran das liegt? Sicherlich hat das mentale Gründe, die Ausbildung spielt allerdings
auch eine nicht zu verachtende Rolle. Beispiel: Antje Döll spielte sehr viele Jahre am Kreis, Johanna Stockschläder in der Jugend im Rückraum.

Für manche Aspekte des Spiels gibt es also eine rationale Erklärung und natürlich spielt es auch eine große Rolle, dass einzelne Spielerinnen eben nicht Woche für Woche in der Champions League ihre Leistung abrufen müssen. Oder im täglichen Training mit Spielerinnen, die zur absoluten Topklasse gehören.

Zumindest ist es aber ein großer Fortschritt, dass immer mehr Spielerinnen internationale
Spiele auf Klub Ebene absolvieren.

Dennoch ist es hin zur Qualität in der Königsklasse noch ein ordentlicher Sprung, sehr gut an Annika Lott zu erkennen. Die dominiert in der Bundesliga und spielte in der European League mit Thüringen famos auf. Kein Wunder, dass Brest sich ihre Dienste gesichert hat. Der Wechsel wird ihr und auch der Nationalmannschaft enorm gut tun.

In diesem Turnier fehlte aber vielleicht noch genau diese Erfahrung, die man in der Champions League macht. Jede Woche im Spiel, täglich im Training.

Definitiv gut getan hat der DHB-Sieben die Unbekümmertheit von Viola Leuchter. Sie hielt sich unter anderem gegen Gegner, wie Daenemark, noch ein wenig zurück, zog dann nach ihrer Einwechslung gegen Schweden aber richtig durch und war mutig. Sie traute sich etwas, weil sie merkte, dass ihre Fähigkeiten gut genug sind, um erfolgreich Handball zu spielen. Eben kein Mäuschenhandball, wie Xenia Smits es nennen würde.

Dieses Selbstvertrauen, weit weg von Überheblichkeit, würde anderen auch guttun.
Das ist allerdings ein Prozess und nichts, was sich auf Knopfdruck ändert. In Deutschland gibt es mit Sicherheit genügend Spielerinnen, die gut Handball spielen können. Es mangelt aber an Überzeugung und Erfahrung. Umso wichtiger, dass man am Sonntag gegen die Niederlande zeigt, dass ausreichend Gier vorhanden ist.

Denn der fünfte Platz könnte am Ende Gold wert sein. In Hinblick auf das, was im
April kommt, das Qualifikationsturnier für Olympia. Und in Hinblick auf das Selbstvertrauen.

Fazit: Noch steht ein Spiel an und das ist von enorm großer Bedeutung. Es ist an der Zeit, dass zum Abschluss nochmal ein Zeichen gesetzt wird.

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