Zeit für noch mehr Gier

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Zeit für noch mehr Gier


December 11, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für noch mehr Gier

 

von Sascha Staat

 

Zwei Jahre ist sie her, die höchste Niederlage der deutschen Frauen in der WM-Geschichte. Damals hieß der Gegner in Spanien Dänemark. Nun war es wieder so weit, dieses Mal sogar in Dänemark. Am Ende verlor die Gaugisch-Sieben mit zwei Treffern und irgendwie beschlich den Beobachter während des Spiels das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Luft nach oben war in einigen Bereichen. Zeit also, um noch mehr Gier zu zeigen, wenn im Viertelfinale nun Schweden wartet.

Zum Beispiel im Tor, wo Katharina Filter stark begann, ihr gutes Niveau allerdings nicht über die 60 Minuten halten konnte. Oder in der Defensive, wo Mie Højlund das ein oder andere Mal eine Lücke in der deutschen Abwehr fand. Was absolut in Ordnung ist, denn sie gehört zur Weltspitze auf ihrer Position. Dazu kamen einige Entscheidungen im Angriff, die nicht immer richtig waren. Es war eine ordentliche Vorstellung der Gaugisch-Sieben, mehr nicht.

Diese Einschätzung zeigt, dass man an die Mannschaft mittlerweile andere Erwartungen hat. Und diese Erwartung kommt nicht zufällig daher, sondern dafür gibt es sehr gute Gründe. Und zwar die Auftritte in den bisherigen Partien. Die haben eindeutig aufgezeigt, dass die DHB-Auswahl gereift ist und eine sehr gute Entwicklung genommen hat. Facetten davon gab es auch gegen Dänemark immer wieder zu sehen.

Denn es gab eine Phase im Spiel, bei der Dänemark wegzulaufen drohte. Mitte der zweiten Hälfte hätte man befürchten können, dass Deutschland einbricht. Aber dem war nicht so und das macht viel Mut für das, was in diesem Turnier noch kommen kann. Mut ist in diesem Fall ein gutes Stichwort, so hätte Viola Leuchter durchaus den ein oder anderen Wurf mehr nehmen sollen. Was hätte passieren können? Mit dieser Kraft im Arm haben es viele Torhüterinnen schwer.

Außerdem haben Alina Grijseels und Mareike Thomaier insgesamt drei Siebenmeter verworfen, dazu fehlte Tempo aus der Abwehr heraus. Erst gegen Ende gelang dem Team von Markus Gaugisch der erste Treffer per Gegenstoß, eigentlich kaum zu glauben. Der Statistik nach ist es unwahrscheinlich, dass man nochmal auf solch eine Quote kommt. Und wenn man all diese Faktoren in Betracht zieht, ist die Niederlage in einem ganz anderen Licht zu betrachten.

Entscheidend sollte gegen Schweden aber der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sein. Und die Gier, dass man unbedingt in dieses fast schon ominöse Halbfinale möchte. Es ist eine einmalige Chance, die vielleicht so schnell nicht mehr wiederkommen wird. Die Skandinavierinnen haben eine Reise nach Herning vor sich und verzichten sogar auf ihr letztes Hallentraining vor dem Spiel. Klar, man kennt sich aus der Vorbereitung, aber selbst so eine Kleinigkeit kann den Unterschied ausmachen.

Markus Gaugisch hat außerdem im Schlüsselspiel gegen Polen mehr als nur bewiesen, dass er seine Truppe perfekt auf den Gegner einstellen kann. Die taktischen Vorgaben waren auf den Punkt, dazu funktionierte fast alles. Er wird sich jeden Spielzug und jede Auslösehandlung mit der Lupe ansehen, solange bis er dafür eine Lösung vorbereitet hat. Setzen seine Spielerinnen das erneut so gut um, ist das erste Halbfinale seit 2008 zum Greifen nah.

Fazit: Jetzt ist es an der Zeit endgültig an sich zu glauben und noch gieriger auf den Sieg zu sein. Das Team ist definitiv gut genug, um ins Halbfinale einzuziehen. Trotz der ersten Turnierniederlage.

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