Zeit für Selbstbewusstsein

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Zeit für Selbstbewusstsein


December 5, 2023




Die Lage der Nation: Zeit für Selbstbewusstsein

 

von Sascha Staat

 

„So gut wie nie“, sagte Antje Döll vor dem Start der Weltmeisterschaft über das deutsche Team. „Wir gewinnen mit fünf Toren“, meinte Amelie Berger vor der Partie gegen Polen. Selbstbewusste Töne der deutschen Spielerinnen, wie man sie in der Vergangenheit eigentlich nie vernommen hat. Doch nach dem historischen Erfolg am Montag, dem höchsten WM-Sieg der DHB-Frauen jemals gegen einen europäischen Kontrahenten ist es an der Zeit für genau dieses Selbstbewusstsein.

Auch am Tag danach, beim Medientermin in Silkeborg, zeigten sich alle äußerst selbstbewusst. Der einhellige Tenor war, dass man sich das schließlich erarbeitet hätte. Und genau das stimmt. Der Sieg gegen Polen war harte Arbeit, auch wenn er leicht aussah. Akribisch hatte Markus Gaugisch seine Mannschaft auf die Partie vorbereitet, die Spielerinnen setzten es schließlich perfekt um. „Von Anfang bis Ende haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht“, kommentierte er die Leistung.

Auf die Frage, ob es eben eine perfekte Vorstellung gewesen sei, sagte der Coach schmunzelnd: „Ich werde mit Sicherheit noch etwas finden.“ Genau diese Einstellung ist es, die deutsche Fans mit einer ordentlichen Portion Zuversicht in die kommenden Partien gehen lassen sollte. Niemand rund um den deutschen Tross wird wegen eines Spiels abheben, „genauso werde ich nach einem schlechten Spiel auch nicht sofort unruhig und verfalle in Panik“, betonte Gaugisch.

Das lebt er seinen Spielerinnen vor, auf einem authentischen Weg. Was noch lange keinen Erfolg garantiert, aber es macht ihn wahrscheinlicher. Beobachtet man das Team in der Halle, nach den Partien in der Mixed Zone oder auch bei den Medienterminen, ist ein neuer Glaube zu spüren. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, die nicht schlechter sind als die der meisten anderen Teams hinter den großen Titelfavoriten um Norwegen, Frankreich und Dänemark.

Was gegen Polen besonders ins Auge stach war die taktische Ausrichtung in der Defensive. Immer wieder gelang es Xenia Smits und Alina Grijseels auf den Halbposition das richtige Timing zu finden, um die Polinnen zu attackieren und ihnen den Anlauf für Würfe aus dem Rückraum zu nehmen. Das gelang tatsächlich nahezu perfekt. Der Innenblock schob konsequent nach, sodass es die Abwehr für Katharina Filter insgesamt einfach machte sich am Wurfbild zu orientieren, wie sie selbst meinte.

Offensiv musste die Gaugisch-Sieben nicht mal ihr ganzes Repertoire auf die Platte bringen, denn die Tore wurden oft über viel Geschwindigkeit aus der zweiten Welle oder per Tempogegenstoß erzielt. All das sorgte in Summe dafür, dass Deutschland nicht zu stoppen war. Gaugisch hat außerdem mehr Optionen als noch vor einem Jahr, als eine zusätzliche Kraft wie Annika Lott im Rückraum fehlte. Das Team besitzt mittlerweile eine andere Flexibilität.

Nun warten drei Mannschaften in der Hauptrunde, die man einordnen kann. Serbien konnte im Spiel gegen Dänemark überzeugen, aber in der Spitze fehlt es an Qualität. Rumänien musste bislang auf Cristina Neagu verzichten, aber selbst mit ihrem Superstar war das Team der deutschen Auswahl vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in Mazedonien klar unterlegen. Und mit Dänemark hat man seit der Klatsche bei der WM 2021 in Spanien definitiv noch eine Rechnung offen.

Fazit: Die Leistungen passen, die Qualität auch. Dieses Team muss sich auf dem Weg ins Viertelfinale auf gar keinen Fall verstecken. Die Zeit für Selbstbewusstsein ist gekommen.

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