Zeit, um mit Klartext zu analysieren

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Zeit, um mit Klartext zu analysieren


December 17, 2023




Die Lage der Nation: Zeit, um mit Klartext zu analysieren

 

von Sascha Staat

Es waren 12 Minuten und 37 Sekunden gespielt, als Deutschland im Spiel um den fünften Platz gegen die Niederlande den ersten Treffer erzielte. Der Siebenmeter von Alina Grijseels streifte die Schulter von Yara ten Holte, die auch diesen Wurf beinahe entschärft hätte. Es war symptomatisch für den Auftrifft der DHB-Frauen in der Finalrunde, mit nur 20 Toren im Viertelfinale gegen Schweden, mehr als 20 Fehlwürfen gegen Tschechien und sieben Treffern bis zur Pause gegen die Niederlande.

Mit 6:13 lag die Gaugisch-Truppe in der 27. Minute zurück, als ein Zuschauer von der Tribüne eine unmissverständliche Frage stellte: „Was spielt ihr da eigentlich für eine Scheiße?“ Klartext, den man, zumindest als Fan in der Halle, eindeutig vermisst. Der unbekannte Mann war jedenfalls bedient ob dessen, was er auf dem Spielfeld bis dahin beobachtet hatte. Die nächsten Aktionen waren ein Tor der Niederlande und ein Fehlwurf der DHB-Auswahl.

Anders als noch gegen Schweden war allerdings von einem wirklichen Aufbäumen nach der Pause wenig zu spüren. Immer wieder stand Yara ten Holte im Weg, es fehlte im Abschluss der letzte Biss. Der Wille und die Entschlossenheit, die beispielsweise ein Team wie Montenegro auf die Platte bringt, sind nicht zu spüren. Dabei verfügt die DHB-Sieben über den deutlich besseren Kader.

Mit welcher Leidenschaft und mit welchem Herzblut aber Montenegro auftritt, ist vorbildlich.
Die Spielerinnen von Bojana Popovic zerreißen sich in jeder Sekunde. Wohlwissend, dass sie mit ihrer Qualität anderen Mannschaften unterlegen sind. Damit ist übrigens nicht gesagt, dass die Deutschen nicht alles auf dem Feld lassen, was sie zu geben haben. Im Gegenteil, ausdrücklich nicht. Trotzdem hat man immer wieder den Eindruck, dass andere Teams in den sogenannten „Soft Skills“ einfach überlegen sind. Ein Faktor, der gute Teams oft von sehr guten unterscheidet.

Ein weiterer Wermutstropfen, neben dem schwachen letzten Eindruck, war die Verletzung von Viola Leuchter, deren Ausmaß aktuell noch nicht bekannt ist. Es ist zu hoffen, dass ihr nichts Schlimmeres passiert ist, denn sie war ein großer Lichtblick bei dieser WM. Als sie ihre Unbekümmertheit ablegte, lief es deutlich besser im Positionsangriff. Sicherlich auch, weil sie ohne Druck aufspielen kann. Ihr gehört definitiv zu Zukunft, auch im internationalen Vergleich.

Klar ist, dass sie nicht die Heilsbringerin des deutschen Frauenhandballs sein kann. Erfolg im Sinne eines Halbfinaleinzugs ist nur dann möglich, wenn in den entscheidenden Spielen die wichtigsten Spielerinnen ihr Maximum abrufen können. Dass sie generell zu tollen Leistungen in der Lage sind, haben viele von ihnen in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt. Sowohl im Verein, als auch in der Nationalmannschaft. Leider nur selten gleichzeitig.

Mit dem sechsten Platz hat man aber immerhin das beste WM-Ergebnis seit 16 (!) Jahren erzielt. Wer also meint, dass aufgrund von 27 horrenden Minuten gegen Schweden und die Niederlande nun alles schlecht sei, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Dass man für eine erfolgreiche Olympia-Qualifikation aber noch mehr an die Grenzen gehen muss, sollte genauso klar sein. Montenegro, Slowenien und der Außenseiter Paraguay heißen die Hürden. Das Olympia-Ticket muss her, ohne Ausreden.

Fazit: Wenn man wirklich einen Schritt nach vorne machen möchte, dann ist an der Zeit die Dinge klar anzusprechen. Alles größtenteils mit Ruhe und Sachverstand zu lösen, funktioniert einfach im Spitzensport auf Dauer nicht. Reibung ist wichtig, um die vielzitierte Komfortzone zu verlassen.

Die Erfolgsformel aus dem Fußball, „11 Freundinnen müsse ihr sein“, ist auch dort nicht ohne Grund schon längst überholt. Stete Ungeduld, Gier, Wille und Biss sind die Basis auf die sich Taktik und Technik stützen. Nur so können aus Träumen wie Olympia oder einem Halbfinale Realität werden.

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