Zurück auf die Welle gehangelt

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Zurück auf die Welle gehangelt


January 19, 2024




Die Lage der Nation: Zurück auf die Welle gehangelt

 

von Sascha Staat

 

Schön war es nicht, was Deutschland und Island boten, aber das interessierte nach dem Spiel in Köln niemanden im DHB-Lager so wirklich. Denn am Ende stand ein knapper Sieg für das Team von Alfred Gislason zu Buche. Nach einem harten Kampf, mit einer unfassbaren Intensität, mit viel Drama und einem großen Helden, Andreas Wolff. Der Weltklasse-Keeper versetzte mit seinen Paraden die Fans in der Arena in absolute Ekstase.

Wolff war, mal wieder, die Lebensversicherung für seine Mannschaft. So bezeichnete es sein Kapitän Johannes Golla nach der Partie. Ein schmaler Grat, auf dem sich das deutsche Team bewegt. Gleich vier Siebenmeter ließen die Isländer liegen, dazu parierte Wolff etliche Würfe aus der Nahdistanz und war in der entscheidenden Phase nur schwer zu überwinden. Der Mann aus Kielce, der in Interviews gerne Ziele offensiv formuliert, lässt seinen Worten Taten folgen.

Er ist also der überragende Torhüter, den man für ein erfolgreiches Turnier benötigt. Sich aber immer auf ihn zu verlassen, ist extrem gefährlich. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie wohl ohne seine überragende Leistung die Partie gegen Frankreich ausgegangen wäre. Am Donnerstag hätte es auch nach hinten losgehen können. Zumal den Feldspielern sichtlich die Kräfte ausgingen, Golla oder Julian Köster krochen auf dem Zahnfleisch.

Und dass, obwohl Alfred Gislason im Vergleich zum Spiel gegen Frankreich seine Herangehensweise angepasst hatte. Er schenkte seinen jungen Akteuren und denen, die in der Regel auf der Bank Platz nehmen, deutlich mehr Vertrauen. Renars Uscins, Justus Fischer und Martin Hanne sorgten so für die nötige Entlastung, vor allem mit Blick auf die kommenden Aufgaben. Sie machten ihre Sache absolut ordentlich und Gislasons Mut war am Ende ein Schlüssel für den Erfolg.

Ein klassischer Abnutzungskampf wurde es gegen die Isländer aus zwei Gründen. Zunächst sollte man nicht vergessen, dass der Gegner etliche Spieler von absolutem Spitzenformat in seinen Reihen hat. Aron Palmarsson ist zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, sein Spielverständnis und seine technischen Fähigkeiten sind aber weiterhin sensationell gut. Akteure wie beispielsweise Omar Ingi Magnusson, Gisli Kristjansson oder Janus Smarasson stehen ihm in Nichts nach.

Außerdem gelang es ihrer Defensive das deutsche Angriffsspiel in weiten Phasen der Begegnung fast komplett lahmzulegen. Juri Knorr, der mit seiner Art Handball zu spielen sehr auf die Kooperation mit dem Kreisläufer setzt, kam nur selten zur Entfaltung. Die Isländer attackierten ihn früh und so wurde die Offensive des DHB-Teams gewissermaßen lahmgelegt. Tempo war kaum vorhanden, regelmäßig zogen sich die Angriffe massiv in die Länge.

Sinnbildlich dafür war das Tor von Köster, das schlussendlich für den Sieg sorgte. Knorr rutsche aus, bekam den Ball mit letzter Kraft zu seinem Teamkollegen gespielt, der sich dann, ebenfalls mit letzter Kraft, durchsetzte und erfolgreich abschloss. Diese Szene passte zum Spiel wie die Faust aufs Auge. Ein wenig Glück gehabt, aber mit viel Leidenschaft, Kampf und Herzblut. Zwei Punkte, die den Weg in das Halbfinale weit öffnen. Und ob es schön war, interessiert hinterher sowieso keinen mehr.

Fazit: Hatte Frankreich das deutsche Team von der Welle gestoßen, haben die Spieler sich auf diese wieder draufgehangelt. Reicht die Kraft nicht wieder runterzufallen, ist das Halbfinale drin.

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